https://www.faz.net/-gpf-uskg

Energiepolitik : Mehr Geld für die Atomfoschung

  • Aktualisiert am

Die Atomenergie als „Brückentechnologie”? Bild: AP

Bundesforschungsministerin Schavan (CDU) will in den kommenden Jahren zusätzlich bis zu 40 Millionen Euro in die Atomforschung und die Förderung des Nachwuchses in diesem Gebiet stecken. Grünen-Vorsitzender Bütikofer spricht von einer „offenen Provokation“.

          Bundesforschungsministerin Annette Schavan will in den nächsten vier Jahren 40 Millionen Euro zusätzlich in die Atomforschung stecken. Das sagte ihre Sprecherin Katrin Hagedorn am Samstag und bestätigte damit einen entsprechenden „Spiegel“-Bericht. Die zusätzlichen Millionen sollten vor allem jungen Wissenschaftlern helfen, Sicherheits- und Endlagerfragen zu erforschen.

          Schavans Sprecherin Hagedorn sagte, mit der Maßnahme solle verhindert werden, dass das auch für den beschlossenen Atom-Ausstieg weiter notwendige Know-how verloren gehe, weil es keine Nachwuchswissenschaftler in dem Gebiet gebe. Schavan sagte dem „Spiegel“: „Wir dürfen in international gefragten Forschungsbereichen nicht auf Kompetenzen des Nachwuchses verzichten, sonst verlieren wir weltweit den Anschluss.“

          Bütikofer: „Offene Provokation“

          Bislang unterstützt ihr Ministerium die Sicherheits- und Endlagerforschung mit rund 30 Millionen Euro jährlich. Sie fließen an die Forschungszentren Karlsruhe, Jülich und Rossendorf. Das zusätzliche Programm richtet sich nach Angaben Hagedorns im Gegensatz dazu erstmals an Projektgruppen und nicht an Institutionen.

          Schavan fürchtet, dass Deutschland den Anschluss verliert

          Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer wertete die Ankündigung als „offene Provokation“. Er ist der Ansicht, dass „jeder Euro, der in die Sackgassen-Technologie Atom gesteckt wird, ... verantwortungslose Verschwendung“ ist. Stattdessen sollte lieber die Erforschung erneuerbarer Energien ausgeweitet werden. „Ich bin gespannt, ob die SPD-Bundestagsfraktion einen solchen Unsinn mitmacht oder dafür sorgt, dass das Forschungsministerium die richtigen Prioritäten setzt“, sagte der Grünen-Vorsitzende am Samstag.

          Auf dem ersten Klimaforschungsgipfel in Hamburg, bei dem mehr als zweihundert Führungskräfte aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammengekommen sind, sagte Frau Schavan, sie erwarte bis zum Herbst konkrete Vereinbarungen zwischen den großen deutschen Unternehmen und den staatlichen Forschungsorganisationen, wie die Klimaschutzziele der Bundesregierung technisch zu erreichen sind.

          „Wir brauchen einen Wettbewerb“

          „Wir brauchen jetzt keine neuen Szenarien mehr, sondern einen Wettbewerb um ganz konkrete technische Lösungen, die dann auch neue Exportschlager werden können“, sagte sie. In den nächsten drei Jahren wird das Bundesforschungsministerium 255 Millionen Euro für die Klima- und Energieforschung ausgeben. Die Ministerin kündigte „angesichts der wirtschaftlichen Dynamik im Land“ für die gerade begonnenen Haushaltsverhandlungen an, weitere zusätzliche Gelder für die Forschung einzufordern und diese dann in die Klima- und Energiebranche zu lenken.

          Bei den Diskussionen in Hamburg zeichnete sich ab, dass im Hinblick auf die künftigen Energietechniken die Atomkraft eine untergeordnete Rolle spielt. Effizientere Gas- und Kohlekraftwerke, Biomasse, Windstromerzeugung, Wasserstoffwirtschaft und der Umbau der Stromnetze sollen in den „Hightech-Strategien zum Klimaschutz“ offenbar eine herausragende Rolle spielen. Bundesforschungsministerin Schavan betonte allerdings, dass sie die Atomtechnik als „Brückentechnologie“ auch gegen die Auffassung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in den nächsten Jahren für unersetzbar erachte. „Bis jetzt hat immer noch niemand beweisen können, dass die Ziele des Klimaschutzes ohne Atomkraft erreichbar sind.“

          Weitere Themen

          Woidke will Ministerpräsident bleiben Video-Seite öffnen

          Brandenburg : Woidke will Ministerpräsident bleiben

          Seit sechs Jahren ist Dietmar Woidke Ministerpräsident von Brandenburg. Das möchte der 57-jährige SPD-Politiker auch bleiben. Und das, obwohl die Umfragewerte für die Sozialdemokraten alles andere als günstig aussehen.

          Topmeldungen

          Finanzminister Scholz will den Soli zurückschrauben. Aber nicht für Sparer.

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.