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Energieabhängigkeit von Russland : Die Deutschen und das russische Gas

Der Bezug von Flüssiggas mit Schiffen

Eine andere, in Europa bisher vergleichsweise wenig genutzte Möglichkeit ist der Bezug von Flüssiggas (LNG) mit Schiffen, was allerdings teuer ist. Qatar ist derzeit der größte LNG-Exporteur. In der EU gibt es 22 Importterminals mit einer Jahreskapazität von 190 Milliarden Kubikmetern, von denen zuletzt nur 46 Milliarden genutzt wurden. Das Interesse der EU richtet sich vor allem auf die neu erschlossenen Schiefergasvorkommen in den Vereinigten Staaten.

Präsident Barack Obama hat in der vergangenen Woche bekräftigt, dass Amerika zu Lieferungen bereit wäre. Noch fehlen aber die nötigen Exportlizenzen. Bisher geht amerikanisches Flüssiggas nur auf den freien Markt, wo es dann rasch von Asiaten aufgekauft wird, die mehr zahlen als die Europäer. Im besonders verwundbaren Baltikum muss allerdings erst ein Verladeterminal gebaut werden. Das gilt auch für Deutschland. Zwar gibt es schon länger Pläne, einen Terminal in Wilhelmshaven zu bauen, jedoch blieb es bislang bei Absichtserklärungen.

Die deutsche Energiewirtschaft investiert nach Meinung der Politik seit Jahren zu wenig in die Infrastruktur, auf staatliche Subventionen wäre ein solches Projekt auf jeden Fall angewiesen. Hinzu kommt: Ob in Deutschland das gesellschaftspolitische Klima für den Import von durch „Fracking“ gewonnenem Gas herrscht, ist eine offene Frage.

Es werde so getan, als bestünden andere Möglichkeiten

So war es gewiss kein Zufall, dass Energieminister Gabriel jüngst sagte, in der Debatte über die deutsche Energieversorgung werde so getan, als bestünden andere Möglichkeiten. Dies sei aber nicht richtig. Der Sozialdemokrat meinte damit wohl, dass Deutschland Erdgas auch dann noch benötigt, wenn dessen Verstromung sich nicht rentiert (was derzeit der Fall ist), beziehungsweise, wenn der Energieträger nicht mehr der Deutschen liebstes Heizmittel wäre.

Große Mengen Erdgas werden für die stoffliche Verwendung in der Industrie gebraucht. Die Bundesregierung dürfte also mittelfristig weiterhin auf russische Importe setzen. Berlin hat dieser Tage öffentlich unter Beweis gestellt, wie groß das Vertrauen darin ist, dass Moskau das Erdgasgeschäft nicht politisiert. Keine Einwände hatte die Bundesregierung gegen den Verkauf des größten deutschen Erdgasspeichers im niedersächsischen Rheden durch die BASF-Tochter Wintershall an den Gazprom-Konzern.

Das Geschäft, in dessen Gegenzug Wintershall Förderrechte für Erdgas in Sibirien erhält, habe „keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland“, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Speicher ist nicht gleich Speicherinhalt – der unterliegt dem Handel, wobei Gazprom auch die Wintershall-Beteiligung am Gashändler Wingas übernimmt. Die Speicher, so das Wirtschaftsministerium, unterlägen deutschem Recht und könnten zur Sicherung der Netzstabilität herangezogen werden. In Osteuropa hat man für den Fall eines Gaskrieges mit Russland die Deutschen zur Solidarität aufgerufen. Man möge dann deutsche Reserven nach Osten leiten.

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