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Energieabhängigkeit von Russland : Die Deutschen und das russische Gas

Beim Gas ist man an Landleitungen gebunden

Allerdings sind diese Zahlen allein nicht aussagekräftig. Es muss berücksichtigt werden, welchen Anteil das Gas am Energiemix des jeweiligen Landes hat, wenn man beurteilen will, wie groß der Schaden durch einen Lieferausfall wäre. In Polen und Bulgarien etwa macht Gas nur rund 12 oder 13 Prozent am gesamten Energieverbrauch aus. In Lettland, Litauen und Estland liegt der Anteil zwischen 20 und 30 Prozent, ebenso wie in der Slowakei und Rumänien. In Ungarn sind es sogar über 30 Prozent.

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich auf einem Gipfeltreffen in der vorletzten Woche mit der Frage befasst, welche energiepolitischen Schlüsse aus der neuen Konfrontation mit Russland zu ziehen sind. Dabei ging es, wie schon früher, nur ums Gas. Die EU führt zwar auch viel Öl und Kohle aus Russland ein. Für diese Brennstoffe gibt es aber durch Schiffstransport einen flexiblen Weltmarkt, so dass die Europäer hier leicht den Lieferanten wechseln können. Beim Gas ist man dagegen meist an Landleitungen gebunden.

Ohne das Öl- und Gasgeschäft sei Russland bald pleite

Bei vielen Verantwortlichen in Brüssel und den Mitgliedstaaten herrscht dennoch die Überzeugung vor, dass Russland letztlich auch beim Gas keine Trümpfe in der Hand hält. Denn die Abhängigkeit Russlands von den europäischen Kunden sei doch ungleich größer als umgedreht: Große Teile des russischen Staatshaushalts werden aus den Einnahmen des Öl- und Gasgeschäfts bestritten; fielen die weg, so das Kalkül, dann wäre der russische Präsident Wladimir Putin bald pleite.

Ausweichen kann er so leicht nicht, weil es bisher keine russischen Leitungen nach China und in die anderen Wachstumsmärkte Asiens gibt. Der Bau einer Pipeline nach China oder Indien würde Jahre dauern. Trotzdem will die EU auf Nummer sicher gehen und ihre „Anstrengungen zur Verringerung der hohen Gasabhängigkeitsquoten Europas intensivieren“, wie es in der Erklärung des Gipfels im Brüsseler Amtsdeutsch heißt.

Der Wandel soll vor allem durch eine Steigerung der Energieeffizienz geschehen, durch eine weitere Diversifizierung der Energieversorgung und durch den Aufbau von Verbundnetzen. Unter Letzteren wird die Verbindung nationaler Netze in Europa genannt, die seit den Gaskriegen zwischen Russland und der Ukraine vorangetrieben werden. Schon heute ist es möglich, durch Schubumkehr die Tschechische Republik, die Slowakei und Polen von Deutschland aus mit Gas zu beliefern. Die Kapazitäten für Warschau sollen noch ausgeweitet werden.

Von Österreich aus lassen sich Ungarn, Rumänien und Slowenien versorgen, von Italien aus ebenfalls Slowenien sowie Kroatien. Nur das Baltikum, Bulgarien und Finnland sind EU-intern noch nicht an diese Netze angebunden. Auch über den Transport von kaspischem Öl nach Osteuropa wird wieder nachgedacht, nachdem die ursprünglich dafür gedachte Leitung Nabucco kürzlich gescheitert war.

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