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Endspurt Landtagswahl : Wenn den Volksparteien das Volk abhanden kommt

Zuversicht verströmen: Angela Merkel und Mike Mohring in Thüringen Bild: dpa

Angela Merkel rät, nicht länger beleidigt zu sein, und Andrea Nahles will die Ärmel hochkrempeln – die Nerven liegen blank bei den Noch-Volksparteien. Denn es geht in den Endspurt vor die hessische Landtagswahl.

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          Am Sonntag griffen Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer und Volker Bouffier im Konrad-Adenauer-Haus zum Telefon. Es ging nicht um wichtige Gespräche mit Politikern, sondern darum, besonders engagierte Wahlkämpfer in Hessen anzurufen, ihnen zu danken und andere zu ähnlichem Tun zu motivieren. „Vollgas für den Endspurt“, twitterte die CDU zu den Fotos, welche die Vorsitzende, die Generalsekretärin und den hessischen Ministerpräsidenten vor Computern und mit dem Hörer in der Hand zeigten.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Es war nur eine Aktion von mehreren, mit denen die CDU, deren Präsidium und Vorstand sich in der Berliner Parteizentrale trafen, die „maximale Mobilisierung“ zur Hessen-Wahl in einer Woche befördern wollten. Ein Bus mit Mitgliedern der Jungen Union aus Berlin und Hamburg wurde Richtung Hessen verabschiedet – die Leute vom Unions-Nachwuchs sollen dort den Wahlkampf noch in den letzten Tagen beflügeln. Zudem konnten die Präsidiumsmitglieder der CDU kleine Videos aufzeichnen, um für Volker Bouffier zu werben. Sie sollen im Laufe der nächsten Tage in den sozialen Medien verbreitet werden. Die Teilnahme sei allerdings freiwillig, hieß es. Um 16 Uhr, als das Präsidium noch tagte, gab es am Sonntag gleichzeitig einen Live-Chat auf der Facebook-Seite der CDU mit Kramp-Karrenbauer und Bouffier. Der Hesse, der noch vor drei Tagen gefordert hatte, nun müsse sich bitte alles nur noch um sein Land, und nicht mehr um die Bundespolitik drehen, konnte sich jedenfalls über mangelnde Unterstützung aus Berlin nicht beklagen.

          Dass soviel Aufwand getrieben wird, bedeutet zugleich, dass es um mehr geht als nur um Hessen, um mehr als eine Landtagswahl. Es geht darum, ob die CDU aus ihrem Tief herausfindet, möglicherweise auch darum, ob der Führungswechsel in der Union geordnet vollzogen werden kann oder aber beschleunigt vollzogen werden muss. Und es geht vielleicht sogar darum, ob eine Dynamik in der Union und in der SPD Raum greift, kraft derer die große Koalition in Berlin zu einem ungeplanten frühzeitigen Ende kommen könnte.

          Schluss mit der Selbstbeschäftigung

          Merkel hatte am Samstag auf einem Landesparteitag der CDU im thüringischen Eichsfeld Töne angeschlagen, die so gar nicht typisch für sie sind. Um die Volkspartei CDU ging es, ja darum, dass es mit dieser Rolle vielleicht bald vorbei sein könnte. „Wenn wir uns für den Rest des Jahrzehnts damit beschäftigen wollen, was 2015 vielleicht so oder so gelaufen ist und damit die ganze Zeit verplempern, dann werden wir den Rang als Volkspartei verlieren“, warnte die CDU-Vorsitzende. Schluss mit der Selbstbeschäftigung, lautete ihre Forderung. „Seit einem Jahr beschäftigen wir uns in viel zu hohem Maße damit, ob wir beleidigt sein sollen über das Wahlergebnis“, sagte Merkel. So etwas komme nicht an bei den Leuten. Gewählt werde man für Zuversicht und Optimismus, „ohne die Welt schön zu malen“. Doch mit „Griesgram“ gewinne man die Menschen nicht. Eine neue Merkel? Den Thüringer Delegierten jedenfalls gefiel diese neue Tonart, Merkel erhielt großen Beifall, Blumen und einen Korb mit landestypischen Leckereien. Der thüringische Landesvorsitzende Mike Mohring, der zum Spitzenkandidaten für die Wahl im nächsten Jahr gewählt wurde, überreichte die Präsente mit den Worten: „Wir machen das nicht wie in Bayern – weil wir uns freuen, dass du da bist.“

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