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Ende der Impfpriorisierung : Ärzte warnen vor „Ansturm auf die Praxen“

  • Aktualisiert am

Ein kleiner Pieks, wie hier in Berlin Bild: dpa

Am Montag fällt die bundesweite Impfreihenfolge in Hausarztpraxen weg. Die Menschen sollten sich in Geduld üben, sagen Ärzte nun. Impfwillige sollten nicht unbedingt zu Wochenbeginn ihre Praxis anrufen.

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          Die Ärzte rechnen mit Freigabe der Impfreihenfolge von Montag an mit einem großen Andrang in den Praxen und rufen Impfwillige zu Geduld auf. Der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Samstag, er rechne mit einem „Ansturm auf die Praxen“. Gassen appellierte an die Menschen: „Bitte haben Sie Geduld und bedrängen Sie nicht die Ärzte und Ärztinnen und deren Teams, die medizinischen Fachangestellten. Alle werden geimpft werden – und das so schnell wie möglich. Aber nicht alle auf einmal!“

          Von Montag an darf sich in Deutschland jeder ab 16 Jahre um einen Termin in einer Arztpraxis bemühen. Die feste Reihenfolge war seit Beginn der Corona-Impfungen eingeführt worden, um angesichts noch knappen Impfstoffes einen Vorrang für besonders gefährdete Menschen zu sichern. Dazu gehörten in drei Gruppen Menschen ab 80 Jahre, dann ab 70 und ab 60 sowie mit chronischen Erkrankungen und in bestimmten wichtigen Berufen.

          Einige Bundesländer halten an Priorisierung im Impfzentrum fest

          Bei vielen Menschen sei der falsche Eindruck entstanden, sie könnten sich sofort impfen lassen. Das sei mitnichten möglich. Obwohl die Mengen kontinuierlich zunähmen, seien Impfstoffe immer noch zu knapp. „Gerade zu diesem Zeitpunkt ist es daher kontraproduktiv, wenn das Bundesgesundheitsministerium mehr als eine Million Dosen BioNTech zurückhält, angeblich für Zweitimpfungen“, kritisierte Gassen. Zudem habe die Politik den Anschein erweckt, „dass auch Kindern und Jugendlichen bereits ab kommendem Montag die Möglichkeit eines Impfangebots unterbreitet werden könne, obwohl es seitens der Ständigen Impfkommission keine generelle Impfempfehlung dazu gibt“, kritisierte er.

          Ähnlich äußerte sich Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes als Verband der niedergelassenen Ärzte. Es gebe nach wie vor in den Praxen zu wenig Impfstoff. „Daher müssen wir unsere Patienten um Geduld bitten“, sagte Heinrich der Zeitung. Immerhin gehe es jetzt nur noch um Wochen, nicht um Monate, bis alle Impfwilligen ein Angebot bekämen. Heinrich schlug vor, zumindest in Impfzentren die Priorisierung dort beizubehalten, wo noch nicht genügend Menschen der Priorisierungsgruppe drei geimpft seien.

          Auch die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) warnt vor zu hohen Erwartungen an schnellere Corona-Impfungen nach Aufhebung der Priorisierung. „Die Aufhebung der Impfpriorisierung ist an sich sinnvoll“, sagte die KVSH-Vorsitzende Monika Schliffke am Freitag. „Es gibt aber weiterhin nicht genügend Impfstoff, um den Bedarf an Impfterminen in den Praxen zu decken.“ Impfwillige sollten deshalb nicht unbedingt sofort am Montag in den Praxen anrufen. In den Impfzentren in Schleswig-Holstein werden anders als bei Vertragsärzten auch weiterhin die Priorisierungsvorgaben umgesetzt.

          Einige Bundesländer werden in ihren Impfzentren weiterhin am Vorrang für Risikogruppen festhalten. In Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern soll die Priorisierung dort vorerst bestehen bleiben. In Bremen arbeiten die Impfzentren die Vorranglisten zunächst weiter ab. Im Saarland sollen Menschen der bisherigen Priorisierungsgruppen dort nach wie vor vorrangig bei Terminen bedacht werden. In den übrigen Ländern endet auch in den Impfzentren die bisherige Impfreihenfolge. In Arztpraxen fällt die Priorisierung dagegen weg.

          Nach aktuellem Stand nicht mindestens 45,4 Prozent der Deutschen mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. Am Freitag wurden fast 800.000 Impfdosen verteilt. Weitere Zahlen finden Sie auf dem Impfdashboard.

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