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Empfehlungen für Ärzte : So viele Leben retten wie möglich

Es geht um Leben und Tod: Notfallversorgung eines an Covid-19 erkrankten Patienten auf einer Intensivstation einer Klinik im italienischen Pavia. Bild: dpa

Wie in Italien kann es auch hier bei der Behandlung von Covid-19-Erkrankten zu schwierigen Entscheidungen kommen. Die Empfehlungen für diesen Fall stützen das Vertrauen der Bürger darin, dass es in der Medizin fair und gerecht zugeht.

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          Auch wenn viele ältere Mitbürger sich unter dem Eindruck der Ausgangsbeschränkungen und häuslicher Isolation an traumatische Erlebnisse in Kindheit oder Jugend erinnern und Präsidenten von Macron bis Trump sich an martialischer Rhetorik überbieten: Der Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus ist kein Krieg. Anstatt zu kämpfen und töten gilt es, so viele Leben zu retten wie möglich.

          Was bei der Entscheidung zwischen Heilungschancen und sicherem Tod wo, von wem und wie zu berücksichtigen ist, hat die Medizin über Jahrhunderte gelernt – oft im unmittelbarer Konfrontation mit Verwundeten und Sterbenden auf den Schlachtfeldern vor allem Europas, aber auch in Katastrophenfällen und Pandemien wie der Spanischen Grippe vor gut hundert Jahren. Dieses, in Friedenszeiten vielfach verfeinerte, aber auch oft vergessene Wissen kann und muss nun auch hierzulande wieder aktiviert werden. Zwar scheint die intensivmedizinische Versorgungskapazität des deutschen Gesundheitswesens derzeit so groß zu sein, dass Patienten aus Norditalien und dem Elsass in Deutschland behandelt werden können. Doch kann und darf niemand ausschließen, dass die derzeitige Ruhe nur die vor dem Sturm ist.

          Sieben medizinische Fachgesellschaften und der Deutsche Ethikrat haben in dieser Woche umfangreiche Empfehlungen für den Fall vorgelegt, dass vor oder in deutschen Kliniken Entscheidungen darüber getroffen werden müssen, welche Patienten in den Genuss welcher Behandlungsmöglichkeiten kommen dürfen und welche womöglich nicht (mehr). Einfach zu handhaben sind diese Empfehlungen nicht, geht es doch um zutiefst tragische Situationen.

          Zudem ist es einfacher, festzulegen, was unter allen Umständen verboten ist, als Kriterien für eine positive Priorisierung aufzustellen. Doch alles in allem sind diese Empfehlungen nicht nur fachlich für die Ärzteschaft überaus hilfreich. Sie stützen auch das Vertrauen der Bürger darin, dass es in der Medizin fair und gerecht zugeht, ohne Ansehen der Person. Auch das ist ein Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden – nicht zum Krieg.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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