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Macron-Rede im Bundestag : „Europa darf die Welt nicht ins Chaos abgleiten lassen“

  • Aktualisiert am

Verstehen sich: Merkel und Macron am Sonntag im Bundestag. Bild: AFP

Bei seiner Rede zum Volkstrauertag ruft Frankreichs Präsident Macron Deutschland dazu auf, Europa in Zeiten eines neuen Nationalismus gemeinsam krisenfester zu machen. Er appelliert an die Freundschaft beider Länder – und zitiert sogar Goethe.

          Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Deutschland zu einer Kraftanstrengung aufgerufen, um Europa in Zeiten eines neuen Nationalismus krisenfester zu machen. „Heute müssen wir ein neues Kapitel aufschlagen“, sagte Macron am Sonntag in einer Rede zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag. „Das schulden wir Europa.“ Auch der Klimawandel, Handelskonflikte und andere Herausforderungen müssten gemeistert werden. „Wir wünschen uns alle eine faire Weltordnung.“ Macron bedankte sich, dass er an diesem Tag im Bundestag reden dürfe; das sei ein großes Signal der Versöhnung. „Unsere Gemeinsamkeiten sind stärker als unsere Unterschiede.“

          Macron beschwor zudem die Eigenständigkeit Europas: „Europa und darin das deutsch-französische Paar hat die Pflicht, die Welt nicht ins Chaos abgleiten zu lassen. Deswegen muss Europa stärker werden, deswegen muss es eigenständiger werden.“ Europa müsse mehr Verantwortung für seine Verteidigung und seine Sicherheit übernehmen, es brauche eine größere europäische Souveränität. „Dieser Kampf ist nicht gewonnen, dieser Kampf wird nie gewonnen sein“, sagte Macron.

          „Es lebe Europa“

          Der französische Staatschef will die Europäische Union vor allem unabhängiger von der langjährigen Schutzmacht Vereinigten Staaten machen, der französische Staatschef ist ein Verfechter einer europäischen Armee. Im letzten Punkt erhielt er zuletzt Rückendeckung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

          Der Volkstrauertag wurde vor 100 Jahren 1919 eingeführt, um Solidarität mit den Hinterbliebenen der Opfer des Ersten Weltkriegs zu zeigen. Inzwischen gedenkt man aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Deutschland habe die „blutrünstigen Dämonen des Nationalismus“ überwunden. „Ich bin stolz, dass Frankreich eine Rolle bei dieser Wiederauferstehung gespielt hat“, sagte Macron. Man habe daran gearbeitet, ein europäisches Projekt aufzubauen und sich die Hand zu reichen. Er zitierte in dem Kontext Goethe: „Und so, über Gräber vorwärts“. Seine Rede beendete der französische Präsident mit den Worten: „Es lebe Frankreich. Es lebe die Bundesrepublik. Es lebe die deutsch-französische Freundschaft. Es lebe Europa.“

          Zuvor lasen Nachwuchsfußballer unter anderem von Schalke 04, Hertha BSC, dem FC Liverpool und dem FC Brügge Briefe und Lebensschicksale von ehemaligen Fußballern ihrer Vereine vor, die als Soldaten gestorben waren. „Tränen haben keine Farbe“, meinte ein Fußballer des FC Brügge mit Blick auf die völkerverbindende Kraft des Fußballs. Die Sportler besuchten zudem im Rahmen des Projekts „Football remembers“ („Fußball erinnert“) Soldatenfriedhöfe, um die Schrecken des Kriegs zu begreifen.

          Am Vormittag hatte Macron bereits mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die Jugend Europas appelliert, für ein weltoffenes, friedliches Europa zu kämpfen. „Wir befinden uns an einem sehr wichtigen Zeitpunkt unserer Geschichte“, sagte Macron bei einer Begegnung mit Jugendlichen aus ganz Europa in Berlin. „Eine Jugend kann nur die Zukunft aufbauen, wenn sie die Vergangenheit kennt.“ Sonst gebe es das Risiko, Fehler zu wiederholen. „Schafft ein offenes, ehrgeiziges Europa“, sagte Macron.

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          Es gehe darum zu, das Versprechen „Nie wieder Krieg“ zu erneuern, betonte Steinmeier. „Es braucht vor allem frische Ideen.“ Denn die kostbarsten Ideen seien die zerbrechlichsten. Es sei ein Wunder, was die Mütter und Väter der europäischen Einigung erreicht hätten. „Es ist eine Verpflichtung, dieses Wunder zu erneuern und zu erhalten.“ Aus der Geschichte müsse gelernt werden, um neue Missverständnisse zu vermeiden. „Das war in Europa schonmal einfacher“, so Steinmeier.

          500 junge Menschen aus 48 Ländern in Europa, Afrika und dem Nahen Osten haben in den vergangenen Tagen zum Thema „Youth for Peace - 100 Jahre Erster Weltkrieg, 100 Ideen für den Frieden“ darüber diskutiert, wie der Frieden in einer unruhigeren Welt gesichert werden und wie der Zusammenhalt gestärkt werden kann.

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