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Elterngeld : Papa allein am Strand

Nutzen Väter die zwei Monate, die sie statistisch am häufigsten in Anspruch nehmen, für Solo-Urlaub? Bild: dpa

Vor rund fünf Jahren wurde das Elterngeld eingeführt. Mehr Kinder wurden nicht geboren, aber es gehen mehr Väter in Elternzeit. Für was die „Vätermonate“ genutzt werden, kann man nur vermuten.

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          Seit vor gut fünf Jahren das Elterngeld eingeführt worden ist, wird in schöner Regelmäßigkeit verkündet, dass sich immer mehr Väter an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen. Der Nachweis in Zahlen: Bei Kindern, die im Jahr 2008 geboren wurden, haben 20,8 Prozent der Väter Elterngeld bezogen, für 2009 23,6 Prozent, für 2010, wie nun die neueste Statistik ausweist, 25,3 Prozent. Auch quartalsweise besteht solche Gelegenheit zu erfreuten Pressemitteilungen. Die Deutung bot am Mittwoch auch der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Egeler, an: Ziel des Elterngeldes sei es unter anderem gewesen, dass Väter sich stärker an der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder beteiligten. „Dieses Ziel ist, das belegen unsere Daten eindeutig, erreicht worden.“

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Nun offenbart es eine merkwürdige Vorstellung von Kindererziehung, wenn unterstellt wird, wer nicht im ersten Lebensjahr für ein paar Monate im Beruf pausiere, beteilige sich nicht an ihr. Doch auch davon abgesehen sind die Zahlen nicht ganz eindeutig. Das zeigt eine weitere Größe, die nun publiziert worden ist.

          Bild: F.A.Z.

          Dabei geht es darum, wann die sogenannten Partnermonate genommen werden. Das Elterngeld ist eine Lohnersatzleistung, wenn Eltern im ersten Lebensjahr beim Arbeitgeber den unbezahlten Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen. Um das von Egeler genannte Ziel zu erreichen, gibt es einen Bonus dafür, wenn sich beide Eltern beteiligen: Dann kann bis zu 14 Monate lang Elterngeld bezogen werden. Dabei steht es den Eltern frei, ob sie das nacheinander oder gleichzeitig tun. Nun zeigt die Statistik: In annähernd zwei Dritteln der Fälle haben die Eltern überlappend die Leistung bezogen, Mütter durchschnittlich 11,4 Monate, Väter 2,5 Monate lang.

          Die Überschneidungen liegen überwiegend entweder gleich nach der Geburt oder am Ende des Bezugszeitraumes. Das lässt Mutmaßungen zu: Etwa, dass die „Vätermonate“ dafür in Anspruch genommen werden, die Mutter in der Wöchnerinnenzeit besonders zu unterstützen, oder dafür, mit dem bald einjährigen Kind einen ausgedehnten gemeinsamen Urlaub zu verbringen. Beides kann für die Familie wertvoll und erfüllend sein und ist nicht zu beanstanden, denn das Elterngeldgesetz hat zwar auch das Ziel, Frauen schneller in die Berufstätigkeit zurückzubringen, schreibt das den Eltern aber nicht vor.

          Sommerväter gibt es nicht

          Diese Mutmaßungen über die Ausgestaltung der Elternzeit sind nicht zwingend - die Mutmaßung des Statistik-Präsidenten, dass Väter sich dank der „Vätermonate“ stärker an der Kindererziehung beteiligten, ist es allerdings auch nicht. Möglich und rechtlich zulässig wäre es sogar, dass Väter die zwei Monate, die sie statistisch am häufigsten in Anspruch nehmen, für einen Solo-Urlaub nutzen. Die Zahlen sprechen nicht dagegen; allerdings auch nicht dafür. Jedenfalls ist nach den Worten Egelers keine Häufung in der üblichen Urlaubszeit zu erkennen: „Die Sommerväter gibt es nicht.“

          Ein weiteres ausdrücklich formuliertes Ziel des Elterngeldgesetzes von 2006, „den Menschen mehr Mut zu mehr Kindern zu machen“, ist nach den Feststellungen der Statistiker ebenfalls nicht erreicht worden. Zwar habe es im ersten Jahr nach Einführung eine höhere Geburtenzahl gegeben (das wurde damals vom Familienministerium als Erfolg gefeiert); doch danach sei die Zahl wieder abgesackt (seither heißt es, mehr Kinder seien überhaupt nicht das Ziel des Elterngeldes).

          In einem wirken sich die Vätermonate offensichtlich aus: Das Elterngeld wird von Jahr zu Jahr teurer. Anfangs kostete es rund vier Milliarden Euro, dieses Jahr sind 4,7 Milliarden, 2013 schon 4,9 Milliarden vorgesehen.

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