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Elke Büdenbender : First Lady ohne Berührungsängste

Der künftige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender am Samstag beim SPD-Delegiertenabend im Berliner Westhafen Bild: dpa

Mit Elke Büdenbender zieht eine „First Lady“ ins Schloss Bellevue ein, die ihre Rolle wohl ähnlich modern interpretieren dürfte wie ihre Vorgängerin Daniela Schadt.

          Kanzlergatten (und gegebenenfalls auch -gattinnen) können fast immer selbst entscheiden, wann sie in der Öffentlichkeit auftreten wollen und wann nicht. Für Präsidentengattinnen gilt dies nicht in gleichem Maße. So will es das Protokoll, und so ist auch die Erwartungshaltung unter vielen im Schloss Bellevue, obschon es das Amt der First Lady in Deutschland formal gar nicht gibt. Auch auf Elke Büdenbender, die Ehefrau des gewählten Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, warten von Mitte März an Schirmherrschaften und soziales Engagement. Ihr Amt als Verwaltungsrichterin in Berlin wird sie wohl ruhen lassen, schon um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden. Offizielles zu dem Thema sollte es vor der Wahl in der Bundesversammlung nicht geben.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Die eigene Autonomie zu beschneiden fällt der 55 Jahre alten Frau, die wie ihr Mann Kind eines Tischlers ist, gewiss nicht leicht. Der Vorstellung, ihr Ehemann, den Büdenbender – nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau – 1988 im Jura-Studium in Gießen kennenlernte und 1995 heiratete, wäre vom Herbst dieses Jahres an einfacher Abgeordneter gewesen, womöglich Mitglied des Kulturausschusses, hätte sie gewiss etwas abgewinnen können: mehr Zeit für die Familie nach all den Jahren. Innerfamiliäre Opposition gebe es aber nicht, sagte sie auf dem Empfang am Vorabend der Bundesversammlung. Mancher hörte ein „nicht mehr“ heraus.

          Mit ihrem weltreisenden Mann soll sie einst vereinbart haben, er möge nie ankündigen, um wie viel Uhr er zu Hause sein werde. So blieben Enttäuschungen aus. So sehr Büdenbender ihr normales Leben an der Seite des Außenministers verteidigte – ihren Beruf, das Radeln durch Zehlendorf und den Café-Besuch mit Freundinnen –, es ist nicht so, dass ihr der öffentliche Auftritt schwerfällt. Wer sie im Bundestagswahlkampf 2009 als Gattin des Kanzlerkandidaten erlebt hat, konnte eine natürliche, selbstbewusste und lebensfrohe Frau beobachten, welcher der halbprivate Schnack mit den Journalisten leichter fiel als dem Kandidaten.

          Wird auch sie das Protokoll modern interpretieren?

          Die Lebensfreude überdauerte auch schwere Zeiten. 2010 schied Steinmeier, ein engagierter Protestant aus Ostwestfalen-Lippe, für einige Wochen aus der Politik aus, um seiner erkrankten Frau, einer Katholikin aus dem Siegerland, eine Niere zu spenden. Die Situation war zusätzlich belastend, weil das Paar der seinerzeit noch jugendlichen Tochter Merit erklären musste, dass die Operation von Mutter und Vater unumgänglich sei. Bald darauf war die heile Welt wiederhergestellt. Die Tochter hat das Haus inzwischen verlassen und nach einem Auslandsaufenthalt das Studium aufgenommen.

          Es dürfte Büdenbender entgegenkommen, dass ihre Vorgängerin Daniela Schadt, die Lebensgefährtin Joachim Gaucks, ihre Rolle ebenso unkonventionell ausgefüllt hat wie der Bundespräsident. So wurde das Protokoll im Schloss Bellevue mitunter einer modernen Interpretation unterzogen. Auch daran dürfte die neue Hausherrin anknüpfen.

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