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Nach Plädoyer in der F.A.Z. : EKD sperrt sich gegen assistierten Suizid in Kirchen

Die großen Kirchen sollen sich absprechen: Bedford-Strohm im Dezember 2020 Bild: dpa

Theologen fordern, den Suizid in kirchlichen Einrichtungen zu ermöglichen. Nun reagieren die Kirchen. Der EKD-Vorsitzende warnt, es dürfte sich kein Graben zwischen den Kirchen auftun.

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          Führende Vertreter der beiden großen Kirchen haben das in der F.A.Z. veröffentlichte Plädoyer namhafter evangelischer Theologen und Kirchenvertreter zurückgewiesen, den assistierten Suizid auch in kirchlichen Einrichtungen zu ermöglichen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) teilte mit, dass sie „jede organisierte Hilfe zum Suizid“ ausdrücklich ablehne. Die Selbsttötung dürfe nicht „zur Option neben anderen“ werden. Diese Position habe der Rat der EKD auch „zuletzt noch einmal ausdrücklich bekräftigt“.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          Der entsprechenden Stellungnahme aus dem Juni vergangenen Jahres war allerdings ein hartes Ringen vorausgegangen. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm setzte intern weitreichende Änderungen gegenüber einem deutlich liberaleren Entwurf durch, den der Münchener Theologieprofessor Reiner Anselm verfasst hatte. Der nun veröffentlichte F.A.Z.-Beitrag wird aber nicht nur von den Theologieprofessoren Reiner Anselm und Isolde Karle, sondern auch von Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, dem EKD-Ratsmitglied Jacob Joussen sowie dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister mitgetragen.

          Kein Graben zwischen den großen christlichen Kirchen

          Der Vorgang belegt, dass die innerkirchliche Debatte aus Sicht des liberalen Flügels noch lange nicht beendet ist. Bedford-Strohm geht es in der Kontroverse auch darum, dass sich bei der Sterbehilfe kein Graben zwischen den großen Kirchen auftut. Die EKD erinnerte am Montag daran, dass sich die beiden Kirchen 2017 in Hildesheim versprochen hätten, sich in wichtigen ethischen Fragen miteinander abzusprechen.

          Auch der Sprecher der katholischen Deutschen Bischofskonferenz widersprach den Autoren des F.A.Z.-Beitrags. „Respekt vor der Selbstbestimmung bedeutet in diesen Situationen gerade nicht, den Wunsch oder die Entscheidung zum Suizid unhinterfragt hinzunehmen oder den Suizid als normale Form des Sterbens auszuweisen“, teilte er mit. Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, sagte: „In katholischen Einrichtungen kann es kein solches Angebot geben. Die Aufgabe der Einrichtungen kann nicht darin bestehen, möglicherweise den Suizid von Bewohnern zu organisieren.“

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