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Integration von Flüchtlingen : Auf der Arbeit, nicht auf der Flucht

Biographischer Wandel: In Schwäbisch Gmünd werden Flüchtlinge auf dem Gelände einer früheren Kaserne in Holzarbeiten unterrichtet Bild: Frank Röth

In ländlichen Regionen sterben die Alten und die Jungen ziehen weg. Mancher Bürgermeister will das Problem mit der Ansiedlung von Flüchtlingen lösen. Eine elegante Idee – aber funktioniert sie auch?

          Aus der Waffenkammer der amerikanischen Soldaten ist ein Integrationslabor geworden. In dem vergitterten Raum der früheren Hardt-Kaserne in Schwäbisch Gmünd schraubt Muhammad Amin Cheena aus Pakistan mit fünfzehn anderen Flüchtlingen Sperrholznistkästen zusammen. Manche Schraube bohren die Flüchtlinge so schief rein, dass sie diese gleich wieder rausziehen müssen.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          An den zwei längs aufgestellten Werkbänken lernen Asylbewerber im Projekt „HuT – Handwerk und Technik für Flüchtlinge“ handwerkliche Grundfertigkeiten. Sie sägen Holz für bunte Kinderterrassenhocker, glasen Fensterscheiben ein. Oder sie üben, wie man eine Fahrradinspektion macht. Etwa achtzig Prozent der Asylbewerber, die nach Schwäbisch Gmünd im baden-württembergischen Ostalbkreis kommen, haben keine Ausbildung.

          Wirtschaftlich prosperierende Städte wie Schwäbisch Gmünd, aber auch Kommunen in strukturschwachen Regionen wie Goslar in Niedersachsen haben ein großes Interesse an Einwanderern. Sie wollen mit Hilfe der Neuankömmlinge ihre Einwohnerschaft verjüngen und der Wirtschaft genug Arbeitskräfte zur Verfügung stellen. Es mangelt an Ingenieuren und Bewerbern für schlichtere Jobs.

          „Die konnten Eisen nicht von Aluminium unterscheiden.“

          2030 werden in Ostwürttemberg 13.000 Fachkräfte fehlen. Und auch in Goslar finden sich – trotz hoher Arbeitslosigkeit – für einfache Jobs schon heute keine Bewerber mehr. Viele Kommunalpolitiker würden deshalb ein Einwanderungsgesetz begrüßen, das den Spracherwerb klar regelt und die Asylverfahren von denjenigen entlastet, die nicht aus humanitären Gründen kommen.

          In Schwäbisch Gmünd halten die Lokalpolitiker von Asylbewerbern, die einfach nur in der Sammelunterkunft auf den Abschluss ihres Verfahrens warten, schon wegen der demographischen Probleme der Stadt gar nichts. Deshalb gibt es das Projekt „HuT“ in der ehemaligen Waffenkammer der Kaserne, das sich der pensionierte Ingenieur Ludwig Majohr vor gut einem Jahr ausgedacht hat.

          In der Werkstatt gibt es eine Kappsäge, eine Handkreissäge und eine Stichsäge. Das meiste ist gespendet worden. Ziel des Kurses ist die „sinnvolle Beschäftigung und Förderung berufsorientierter Kompetenzen“. Die Flüchtlinge kommen aus Eritrea, Tschetschenien, Nigeria oder Pakistan. „Ich sah die rumstehen, dann habe ich eine Konzeption geschrieben. Die konnten Eisen nicht von Aluminium unterscheiden. Viele hatten in ihrem Leben noch nie einen Schraubenzieher in der Hand“, sagt Majohr.

          Immigranten ersetzen Zivis

          In dem Kurs lernen die Flüchtlinge auch den eigenen Namen zu schreiben oder ein Formular auszufüllen. Bevor es an die Werkbänke geht, wird zwanzig Minuten gesprochen und geschrieben. „Wer zurückgeht, soll bei sich zu Hause ein Geschäft aufmachen können, wer hierbleibt, bekommt ein Zertifikat über seine Qualifizierung“, sagt Majohr.

          Die Stadt Schwäbisch Gmünd unterstützt das Projekt und alle ehrenamtlichen Bemühungen, die Asylbewerber aus der Lethargie des Abwartens in der Sammelunterkunft zu befreien. Einem afghanischen Asylbewerber vermittelte man eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer in einem Blindenheim. Ein anderes Beispiel ist die Volkshochschule: Sie beschäftigte viele Jahre Zivildienstleistende für die interkulturelle Arbeit. Nach der Abschaffung der Wehrpflicht und des Zivildienstes wurde es für die Bildungseinrichtung schwierig, einen Abiturienten für ein freiwilliges soziales Jahr zu gewinnen.

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