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Einsturzgefahr : Atommüll aus der Asse soll in den Schacht Konrad

  • -Aktualisiert am

Abgesperrter Stollen in den Salzlauge eindringt Bild: ddp

Wegen Einsturzgefahr und drohender Laugenzutritte soll der radioaktive Abfall aus dem maroden Atommülllager Asse komplett herausgeholt werden. Umweltminister Röttgen plädiert für eine Endlagerung im Schacht Konrad.

          Bundesumweltminister Röttgen (CDU) wie auch das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter haben sich am Freitag für eine vollständige Rückholung des Atommülls aus dem einsturzgefährdeten Salzbergwerk Asse ausgesprochen.

          Zahlreiche Umweltgruppen befürworteten das Vorhaben. Damit scheint nach Jahren des Streits um die Asse Klarheit um das Vorgehen gefunden. Röttgen sagte, vor einer endgültigen Entscheidung müssten der Zustand der 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll sowie die Risiken des Herausholens auch für die Mitarbeiter unter Tage untersucht und ein umfassendes Notfallkonzept entwickelt werden.

          Endlagerung in Schacht Konrad

          Eingelagert werden sollen die Fässer dann im 20 Kilometer entfernten Schacht Konrad an - dem bisher einzigen gerichtsfest genehmigte Endlager in Deutschland. Die Umlagerung werde etwa zehn Jahre dauern und zweieinhalb Milliarden Euro kosten, hieß es. Mit den Arbeiten solle wegen des „prekären Zustandes“ der Grube Asse schnellstmöglich begonnen werden.

          In einer Einlagerungskammer: Die Fässer enthalten leicht radioaktiven Atommüll

          Das Bundesamt für Strahlenschutz, seit einem Jahr Betreiber des Atommülllagers, legte am Freitag einen 225 Seiten langen Bericht vor, in dem drei Optionen erörtert werden - eine Verlagerung der Fässer in tiefere Schächte, eine Verfüllung mit Beton und Salzlauge oder eine Auslagerung. Der Präsident des Bundesamts, König, befand, die Rückholung der Abfälle, die zwischen 1967 und 1978 aus Atomkraftwerken und Forschungsstätten angeliefert wurden, sei im Interesse der Langzeitsicherheit die „beste Variante“. Zunächst müssten aber einige Kammern geöffnet werden, um den Zustand des Abfalls zu prüfen. Da bei der Einlagerung die Dokumentation nachlässig geführt wurde, ist der Inhalt der Fässer nicht lückenlos erfasst.

          In der früheren Eisenerzzeche Schacht Konrad sollten von 2013 an Fässer mit schwach radioaktivem Müll eingelagert werden. Anders als bei der Asse, bei der eindringendes Wasser die Standsicherheit akut gefährdet, hat der Schacht Konrad nahe Salzgitter festes Gestein - eine 400 Meter dicke Ton- und Mergelsteinschicht verhindert Eindringen von Wasser; zudem ist die Langzeitsicherheit anders als in Asse nachgewiesen. Für die Umlagerung in den Schacht Konrad sprach sich auch der frühere Bundesumweltminister Gabriel (SPD) aus.

          Das Atommülllager Asse II

          Das Atommülllager Asse entstand 1965 in einem stillgelegten Salzstock. Nachdem dort die Salzförderung 1964 aus wirtschaftlichen Gründen endete, kaufte die damalige Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF) das Bergwerk. Bereits zwei Jahre später begann in dem damaligen Forschungsbergwerk die Einlagerung schwach radioaktiver Abfälle.

          Bis 1978 wurden rund 126.000 Behälter mit schwach radioaktiven Abfällen in den Stollen gekippt. Dabei handelte es sich um Laborabfälle, kontaminierte Geräte, Kleidung, Asche aus Verbrennungsprozessen und Luftfilter aus Atomanlagen. Die ersten Fässer wurden senkrecht übereinander gestapelt.

          Später änderte die GSF das Einlagerungsverfahren, um die Kammern besser ausnutzen zu können. Fortan wurden die Fässer mit Hilfe eines Gabelstaplers liegend in bis zu zehn Lagen übereinandergestapelt. Weil diese Techniken relativ viel Zeit beanspruchten, wurden die Fässer ab 1974 per Schaufellader in die Kammern gekippt.

          Ab 1972 wurden zudem 1293 200-Liter-Fässer mit mittelstark radioaktiven Abfällen in der Asse eingelagert. Sie stammen überwiegend aus der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe. Hoch radioaktive Abfälle wie beispielsweise verbrauchte Kernbrennstäbe oder verglaster Atommüll kamen nicht in das Forschungsbergwerk. In der Asse lagern jedoch mehrere Kilogramm extrem giftiges Plutonium.

          Seit Ende 1978 werden keine Abfälle mehr in der Asse eingelagert. Die Betreiber haben inzwischen einen Großteil der Kammern mit Kalisalz verfüllt. Seit Januar 2009 ist das Bundesamt für Strahlenschutz verantwortlich für die Anlage. Die Behörde prüft mehrere Varianten für die Schließung der Asse. Am Freitag empfahl das Bundesamt eine Rückholung der Abfälle als Schließungs-Option.

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