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Einsatz in Afghanistan : Wo die Bundeswehr lernte, was Krieg wirklich ist

Einsatzpause: Bundeswehrsoldaten während einer Minensuch-Mission nahe Kundus im Sommer 2011 Bild: dpa

Mehr als 150.000 deutsche Soldaten haben seit 2001 in Afghanistan gedient. Inzwischen bereitet sich auch die Bundeswehr auf den Abzug vor – ohne die Amerikaner wäre sie dort kaum einsatzfähig.

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          Die Bundeswehr bereitet sich seit einiger Zeit auf den Abzug aus Afghanistan vor. Nach jahrelangem, intensivem Engagement und harten, teils verlustreichen Kämpfen im Rahmen der Mission „Isaf“ (2001 bis 2014) sind deutsche Streitkräfte seit 2015 an der Nato-geführten Ausbildungsmission „Resolute Support“ beteiligt. Sie sieht nicht mehr vor, Aufständische oder Terroristen zu bekämpfen.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Das aktuelle Mandat sollte im März enden, mit Rücksicht auf Friedensverhandlungen und Entscheidungen der amerikanischen Regierung verlängerte der Bundestag es kürzlich bis längstens Ende Januar 2022. Ein Anschlussauftrag des Bundestages für die Bundeswehr ist derzeit nicht vorgesehen. Mehrere Fraktionen, darunter FDP und Grüne, auch Teile der SPD, dringen seit langem darauf, den Einsatz, seine Erfolge, Kosten und Misserfolge nach fast zwanzig Jahren endlich einmal gründlich auszuwerten. Die Bundesregierung verweigert das.

          Was nicht gebraucht wird, wird zurückgebracht, verschrottet oder verschenkt

          Insgesamt haben mehr als 150.000 Deutsche in Afghanistan für Monate oder teilweise sogar Jahre gedient. Derzeit sind vor allem im Feldlager „Camp Marmal“ bei Mazar-i-Sharif noch rund 1000 Soldaten eingesetzt, unter ihnen etwa 75 Frauen. In dem Lager im Norden des Landes sind Soldaten aus etlichen Nato-Staaten stationiert, dazu Kontingente aus Partnerländern wie Georgien und der Mongolei.

          Ein Teil des Kontingents besteht aus Pionieren, die seit geraumer Zeit mit dem Abbau und der Verschiffung von Material befasst sind. Alles, was nicht gebraucht wird, wurde nach Hause gebracht, verschrottet oder verschenkt. Sie unterstützen von der hermetisch abgeschlossenen Anlage aus eine kleine Anzahl von Ausbildern, die bei einem afghanischen Korps tätig sind. Mangels schwerer Waffen ist die Kampfkraft der Truppe begrenzt, sie könne sich aber selbst verteidigen, hieß es zuletzt in Berlin. Im Notfall könnte das Kommando Spezialkräfte aushelfen, dessen Angehörige bis vor einigen Monaten ebenfalls an der Ausbildung afghanischer Partner beteiligt waren.

          Bild: F.A.Z.

          Wie auch im Fall anderer Nationen ist die Bundeswehr in vielen Fällen auf amerikanische Unterstützung angewiesen. Das betrifft sowohl Luftunterstützung bei Angriffen als auch schnelle Evakuierungen von Verletzten oder Kranken. Seit langem wird in Berlin im Verteidigungsministerium betont, dass die Bundeswehr deshalb nicht ohne die Amerikaner in Afghanistan bleiben werde. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) unterstrich am Mittwoch, dass es dabei bleibe solle: „Wir haben immer gesagt: Wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus“, sagte sie in der ARD.

          59 deutsche Soldaten sind in Afghanistan ums Leben gekommen, viele mehr wurden teilweise schwer verletzt, in Gefechten, bei Anschlägen oder bei Unfällen. Der derzeitige Kommandeur des Kontingents, Ansgar Meyer, sagte kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“: „Der Einsatz hat die Bundeswehr fundamental verändert. Sie ist erwachsener geworden. Sie wurde erstmals mit einer größeren Zahl an Gefallenen konfrontiert und hat an der Seite vieler alliierter Nationen erlebt, was Krieg wirklich ist.“

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