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Lehrmethoden : Fehler sollen wieder korrigiert werden

Wenn Grundschulkinder auch nach fast einem Jahr Unterricht noch so schreiben wie sie hören, dann geht den Eltern der Hut hoch. (Illustration) Bild: Maria Klenner

„Lesen durch Schreiben“ ist hoch umstritten. Weil Studien deren Wirksamkeit in Frage stellen, verbieten immer mehr Bundesländer diese Lehrmethode.

          „Werh Hir Schreit Kann Ent Wida Ein Stük Weitr Gen Odar sur Mama“. Diesen Zettel hat eine Grundschülerin am Ende der ersten Klasse an ihre Zimmertür gehängt. Wenn Grundschulkinder auch nach fast einem Jahr Unterricht noch so schreiben wie sie hören, dann geht den Eltern der Hut hoch. Sie können einfach nicht nachvollziehen, dass nicht einmal die Vermittlung der kulturellen Basiskompetenzen zu gelingen scheint. Und sie halten es fast nicht aus, dass die Lehrer es ihnen auch noch verbieten, falsche Schreibungen zuhause zu korrigieren.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die Methode „Lesen durch Schreiben“ des Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen aus den achtziger Jahren ist hoch umstritten. Und sie ist noch fragwürdiger geworden, seit eine Bonner Studie, die auch eine Langzeitbeobachtung umfasste, die klare Überlegenheit des Fibel-Einsatzes mit einem systematischen Rechtschreiberwerb belegt hat.

          Die meisten Bundesländer haben deshalb die Reißleine gezogen und den Grundschulen nahegelegt, von Anfang an orthographisch richtige Schreibweisen zu lehren und Fehler zu korrigieren. Brandenburg etwa reagierte unmittelbar auf die Bonner Studie und untersagte den Grundschullehrern, die Methode „Lesen durch Schreiben“ noch anzuwenden. Nun hat auch Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) die Konsequenzen gezogen und eine neue Handreichung für die Grundschullehrer herausgegeben. „Die Regeln der deutschen Rechtschreibung können und müssen von der ersten Klasse an gelernt werden“, sagt Gebauer.

          In Hamburg, Schleswig-Holstein, sowie in Bayern und Baden-Württemberg sollen die Grundschullehrer ebenfalls von Anfang an korrekte Schreibweisen beibringen, in den ostdeutschen Ländern hat man ohnehin wenig Gebrauch von reformpädagogischen Modellen gemacht. Der Leistungsvergleich des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) gibt den restriktiven Ländern, die für korrekten Schreiberwerb plädieren, recht: Mehr als jeder fünfte Viertklässler in Deutschland erfüllt die Mindeststandards in der Rechtschreibung nicht. Das ist insofern katastrophal, als weiterführende Schulen darauf setzen müssen, dass die Rechtschreibung beherrscht wird. Denn die Lehrer dieser Schulen sind gar nicht darauf vorbereitet, Orthographie zu unterrichten.

          Nur der reformpädagogischen Methode die Schuld für mangelnde Rechtschreibkenntnisse anzulasten, wäre zu kurz gesprungen. Schon in den siebziger Jahren haben hessische Rahmenlehrpläne die Regeln der Orthographie nur unter der Perspektive gelehrt, dass sie kritisiert werden müssen. Dann wurden die Diktate abgeschafft, sowohl in der Grundschule als auch in den Eingangsklassen des Gymnasiums. Schließlich gibt es auch immer mehr Menschen, die glauben, die Orthographie werde schon von den Rechtschreibprogrammen der Computer erledigt. Das ist jedoch genauso töricht wie nichts mehr wissen zu wollen, weil es im Zweifel ergoogelt werden kann. Es kamen also mehrere Neuerungen zusammen, die das Rechtschreibdesaster gefördert haben.

          Ein wichtiges Argument gegen den Einsatz der Methode „Lesen durch Schreiben“ ist der wachsende Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund. Wer Deutsch als Zweitsprache gelernt hat, kann nicht auch noch zweimal Rechtschreibung lernen. Deshalb sollten auch wieder Diktate geschrieben werden.  Auch schwächere muttersprachliche Schüler werden unter dem Rechtschreib-Hin- und Her nur leiden. Am wenigsten schaden solche Experimente denen, die immer durchkommen: den überdurchschnittlich Begabten. Die Aufgabe der Grundschule ist es aber, alle so mit den Basistechniken Lesen, Schreiben, Rechnen auszustatten, dass ihnen unabhängig von ihrer Herkunft alle Schulbildungswege offen stehen. Schon deshalb ist es eine Frage der Gerechtigkeit, von Anfang an korrektes Schreiben zu lehren.

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