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Einheitsfeier in Kiel : Last und Lust des großen Festes

Ministerpräsident Daniel Günther und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer am Dienstag in Kiel Bild: dpa

In Kiel findet das zentrale Fest zum Tag der Deutschen Einheit in diesem Jahr statt. Das ist für Land und Stadt eine große Ehre – aber in der Organisation auch eine Belastung.

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          Es gibt Sätze, die man so oder so ähnlich immer wieder hört, wenn es um große Feste geht: Dass man sich freue, es auszurichten zu dürfen, dass es eine riesige Chance sei, sich im besten Lichte zu präsentieren, und dass man natürlich schon aufgeregt sei. So ist es auch bei der Pressekonferenz in Kiel zu hören, bei Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) das Programm für das zentrale Fest zum Tag der Deutschen Einheit in der Landeshauptstadt Schleswigs-Holsteins vorstellen. Dass es aber gar nicht so einfach ist, so ein Fest auf die Beine zu stellen, dass es sogar belastend sein kann, hört man hingegen eher nicht. Zumindest nicht öffentlich.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Am 2. und 3. Oktober wird der Tag der Deutschen Einheit mit einem Bürgerfest in Kiel gefeiert, 500.000 Menschen werden erwartet. Es gibt ein Drachenbootrennen, eine Plattdeutschparty, und einen Festakt, bei dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Festrede hält. „Wir freuen uns riesig auf diese beiden Tage“, äußert Günther, „werden ein guter Gastgeber sein und unser Land von der allerbesten Seite zeigen.“

          Ein Leuchtturm in Schwarz-Rot-Gold ist das Symbol des Festes, „Mut verbindet“ das Motto. Zu dem Fest gehören aber auch der Einsatz von tausenden Polizisten, Straßensperren, Kontrollen und viele Monate der Vorbereitung. Die Organisation sei eine absolute Herausforderung, heißt es aus der Staatskanzlei.

          Der Tag der Deutschen Einheit wird jedes Jahr in einem anderen Bundesland gefeiert. Stets in jenem, das gerade die Präsidentschaft im Bundesrat innehat. Im vergangenen Jahr traf es Berlin, im kommenden, dem 30. Jahrestag der Deutschen Einheit, wird Brandenburg das Fest ausrichten. Das heißt aber auch, dass jedes Jahr ein anderes Land das Fest organisiert, eine andere Staatskanzlei, und das heißt wiederum eine Menge Arbeit.

          Begonnen hat sie in Kiel vor eineinhalb Jahren mit der Ausschreibung für eine Agentur, die nicht nur Leuchtturm und Motto lieferte, sondern bei der Organisation half. Zusammen war man 2018 beim Einheits-Fest in Berlin, um mal zu schauen, wie es die anderen so machen. Gelernt hat man: Schlechtes Wetter ist immer Mist. Es war sehr kalt.

          Die Erfahrungen mit Festen solcher Ausmaße halten sich in der Staatskanzlei in engen Grenzen: 40 neue Stellen wurden befristet geschaffen für ein Jahr, die Leute kamen aus dem gesamten Landesdienst in die Kieler Staatskanzlei. Wichtig aber war vor allem auch die Arbeit der Agentur. Konzepte wurden geschrieben und geprüft: für Verkehr, Flächen und Sicherheit. Die großen Fragen und die kleinen geklärt: Wo sind Fluchtwege, wo kommt der Stromkasten hin?

          Die Stadt Kiel half ebenso mit, schließlich kommen jedes Jahr hunderttausende Menschen zur Kieler Woche. Das habe vieles erleichtert, sagt Günther bei der Pressekonferenz. Den Oberbürgermeister freut es. Das Fest zum Tag der Deutschen Einheit sei aber „wahnsinnig flächenintensiv“, heißt es aus der Staatskanzlei. Über die Stadt verteilt gibt es Veranstaltungen und drei Bühnen, die 16 Bundesländer stellen sich mit großen Zelten vor, dazu kommen noch die protokollarischen Veranstaltungen – also Festgottesdienst und auch Festakt – unter höchster Sicherheitsstufe. Für die Agentur und einige Sachkosten alleine kommen 4,2 Millionen Euro an Kosten für das Land zusammen. Personalkosten sind nicht eingerechnet, der Polizeieinsatz auch nicht. Der Bund gibt insgesamt etwa 280.000 Euro dazu.

          Eine Alternative wäre es, stets in der Hauptstadt den Tag der Einheit zu feiern, oder ihn zumindest zentral zu organisieren. Günther hält davon nichts. „Es war eine kluge Idee, mit dem Fest bewusst in die einzelnen Länder zu gehen“, sagt er. Das motiviere dazu, etwas Besonders aus den Festen zu machen. Und in Berlin wäre so ein Fest ja gar nichts ungewöhnliches mehr. Ein Mitarbeiter der Staatskanzlei, der, wie er erzählt, schon seit Langem von kaum etwas anderem träumt als von der Einheitsfeier, sagt: Das man so unbeleckt da rangehe, mache ja auch den Charme des Festes aus.

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