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Studie über Pegida : Verkümmerter Realitätssinn

Pegida-Anhänger leben in ihrer eigenen, unzugänglichen Welt. Voller Stolz nehmen sie aus der Flut der Informationen nur das auf, was den Filter ihrer Vorurteile durchlaufen hat.

          Noch stehen „Studien“ über Pegida auf einem recht schwachen Fundament. Forscher der TU Dresden befragten vierhundert Demonstranten und bekamen nur von mehr als hundert überhaupt eine Antwort. (Die Angabe ist falsch.*) Das Ergebnis ist aber nicht allzu überraschend und dürfte sich auch bei einer größeren Zahl von Befragungen nicht ändern: Die Motive der Pegida-Anhänger, jeden Montag auf die Straße zu gehen, sind ein Sammelsurium der Unzufriedenheit und speisen sich aus dem Bedürfnis, denen „da oben“ einmal die Meinung zu sagen.

          Wer die Bürger sucht, die nicht mehr zur Wahl gehen, wird hier fündig. Mit „Islamisierung“ haben ihre Ansichten nur am Rande zu tun - und auch sonst nur am Rande mit einem Sinn für die Realität. Zwar beanspruchen sie, die Wirklichkeit viel besser zu kennen als alle, die sich tagtäglich mit dieser Wirklichkeit beschäftigen. Tatsächlich aber verweigern sie sich ihr, was damit begründet wird, dass sie sonst, würden sie sich informieren, ja doch nur „belogen“ werden.

          Das Ergebnis aber ist die Verbitterung in einer ganz eigenen, unzugänglichen Welt, in der man stolz darauf ist, aus der Flut der Informationen nur noch das aufzunehmen, was den Filter einer vorgefertigten Meinung durchlaufen hat. Politiker können einem leid tun. Dagegen ist nämlich kein Kraut gewachsen. Denn noch mehr Information führt in dieser Welt nur dazu, dass der Filter noch feiner wird und der Sinn für die Realität noch mehr verkümmert. Das ist der Pegida-Teufelskreis.

          *) Für die Untersuchung des Politikwissenschaftlers Hans Vorländer wurden mehr 1000 Teilnehmer mehrerer Pegida-Demonstrationen angesprochen. Knapp 400 Teilnehmer waren bereit zu antworten.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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