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Präses-Wahl im Rheinland : Eine Frau an der Spitze der Landeskirche?

Der scheidende Präses Manfred Rekowski im Eröffnungsgottesdienst der Synode am 12. Januar 2021 Bild: dpa

Die Evangelische Landeskirche im Rheinland ist die zweitgrößte EKD-Gliedkirche. Nun wählt sie einen neuen Präses und könnte erstmals eine Frau an ihre Spitze setzen.

          3 Min.

          Sieben fette Jahre und ein mageres - auf diese Formel könnte man die achtjährige Amtszeit von Manfred Rekowski als Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland bringen. Von Anfang 2013 bis Anfang 2020 sprudelten die Kirchensteuereinnahmen wie niemals zuvor, dann setzte mit der Corona-Pandemie eine finanzielle Dürre ein, deren Ende man im Falle der Kirchen nicht absehen kann. Doch wie der Pharao in der Josephsgeschichte hat Rekowski die guten Zeiten genutzt, die Scheunen nach Kräften aufzufüllen.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          In der rheinischen Landeskirche, mit knapp 2,5 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte EKD-Gliedkirche, war das auch besonders nötig. Als Rekowski ins Amt kam, waren die Versorgungslasten lediglich zu 30 Prozent ausfinanziert. Inzwischen liegt die rheinische Kirche nach eigenen Angaben immerhin bei rund 70 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde jahrelang ein Viertel aller Kirchensteuereinnahmen allein dafür aufgewendet, das große Rentenloch zu stopfen.

          Bei der Wahl Rekowski spielte noch ein anderer Aspekt eine Rolle: Im Jahr 2013 stand die rheinische Landeskirche unter dem Eindruck eines Finanzskandals im kircheneigenen „Beihilfe- und Bezügezentrum", durch den sie nicht nur rund zwanzig Millionen Euro verlor, sondern auch ihr Zutrauen in die bisherige Führungsriege. Bei der Wahl des Nachfolgers von Präses Nikolaus Schneider gewann daher nicht dessen damalige Stellvertreterin Petra Bosse-Huber, sondern der deutlich weniger bekannte Rekowski. Am Donnerstag wählt die Landessynode nun turnusgemäß den Nachfolger des 62 Jahre alten Präses.

          Der Veränderungsdruck ist groß

          Zum Auftakt der digitalen Tagung hob der scheidende Präses hervor, dass in der evangelischen Kirche weiterhin großer Veränderungsdruck besteht. Rekowski unterbreitete auch einen Vorschlag, der am besonderen Selbstverständnis der presbyterial-synodal verfassten Landeskirche im Rheinland rührt: In Einzelfällen sollen künftig auch die Kreissynoden über die Besetzung von Pfarrstellen oder das Schicksal von Kirchengebäuden entscheiden, nicht die Kirchengemeinden.

          Zudem dürfe die rheinische Landeskirche, die aus Teilgebieten von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland besteht, ihren geographischen Zuschnitt nicht „dauerhaft zum Tabu“ erklären, mahnte Rekowski. Mit anderen Worten: Die Landschaft der EKD-Gliedkirchen im Westen soll neu sortiert werden.

          Tatsächlich ist zu vermuten, dass diese alte Diskussion in der achtjährigen Amtszeit des künftigen Präses neuen Schwung erhält. Bei der Auswahl der drei Nachfolge-Kandidaten spielten aber nicht nur Strukturfragen eine Rolle: In der rheinischen Landeskirche wird zwar weithin anerkannt, dass sich Rekowski diesen Fragen mit Entschlossenheit widmete und zudem verlorenes Vertrauen in die Kirchenleitung zurückgewann. Zugleich gibt es den Wunsch nach einer größeren Strahlkraft der Landeskirche nach außen.

          Eine geradezu erdrückende Präsenz

          Rekowski hat sich als Migrationsbeauftragter der EKD zwar nachdrücklich für die Belange von Flüchtlingen eingesetzt und entsprach damit der politischen Tradition der unierten rheinischen Landeskirche. Er drang mit seinen Beiträgen zur Flüchtlingsfrage jedoch nur selten in eine größere Öffentlichkeit, denn der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm entfaltete besonders bei diesem Thema eine geradezu erdrückende Präsenz.

          Zur Wahl stehen in der rheinischen Kirche nun drei Kandidaten: Die Superintendentin Almut van Niekerk aus dem Rhein-Sieg-Gebiet, der Frankfurter Akademiedirektor Thorsten Latzel sowie Reiner Knieling, Leiter des lutherischen Gemeindekollegs in Erfurt. Über den Ausgang der Wahl lässt sich lediglich spekulieren – die rheinische Synode gilt traditionell als kaum kalkulierbar – und das digitale Format könnte ihre Unberechenbarkeit noch verstärken.

          Als Favoritin gilt gleichwohl Almut van Niekerk, deren Ausgangsposition kaum besser sein könnte: Nach der gescheiterten Kandidatur von Petra Bosse-Huber im Jahr 2013 gibt es im Rheinland den ausgeprägten Wunsch, erstmals eine Frau an die Spitze der Landeskirche zu wählen. Als Superintendentin verfügt van Niekerk zudem über einen Heimvorteil, ist aber zugleich nicht allzu eng mit der höchsten Führungsebene verwoben.

          Der Ausgang der Wahl ist offen

          Ein besonderes kirchenpolitisches Profil hat van Niekerk ebenso wenig gezeigt wie ihre Mitbewerber – alle drei Kandidaten wandelten in den Vorstellungsrunden auf den bekannten Pfaden. Auf diesen Punkt wurde besonders bei Thorsten Latzel geachtet, denn dessen Bruder ist der jüngst wegen Volksverhetzung verurteilte Bremer Pastor Olaf Latzel. Es besteht jedoch keinerlei Anlass zur Befürchtung, dass Thorsten Latzel ähnlich wie sein Bruder in Gossensprache rechtsevangelikale Positionen verbreiten könnte. Im Gegenteil, der Akademiedirektor aus Frankfurt gilt seit seiner Zeit bei der EKD, wo er sich um Reformfragen kümmerte, als Vertreter der liberalen Mitte und hat einen tadellosen Leumund.

          Latzel werden von Kennern der Landeskirche auch bessere Chancen eingeräumt als dem dritten Kandidaten Reiner Knieling, der als bayerischer Lutheraner aus einer Außenseiter-Position startet und in den bisherigen Vorstellungsrunden kaum eigene Akzente setzte. Sollte die Synode am Donnerstagnachmittag Almut van Niekerk wählen, wäre die rheinische Landeskirche nach der Nordkirche, Westfalen, Pfalz und Kurhessen-Waldeck die fünfte von insgesamt zwanzig Landeskirchen, die bald von einer Frau geführt wird.

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