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Die da oben

Von FRIEDERIKE HAUPT und JENS GYARMATY (Fotos)

14. August 2022 · Komisch, wenn das, was mal Heimat war, auf einmal Luxus ist. Zum Beispiel auf Sylt. Ein Tag am nördlichsten Punkt Deutschlands.

Wer viel Geld hat, kann ein großes Haus kaufen, wer wenig Geld hat, muss es putzen. Man könnte denken, das sei bloß das Glück der Reichen und das Unglück der Armen. Aber das stimmt nicht,  es ändert alles. Denn je mehr Reiche und Arme es gibt, desto weniger bleibt dazwischen. Die Menschen mit normal viel Geld stehen plötzlich nicht mehr in der Mitte, sondern am Rand. In großen Städten nennt man das Gentrifizierung, aber es geschieht überall. Besonders gut zu sehen ist es auf Sylt, ganz oben auf der Landkarte, an der Spitze Deutschlands.

Da zu sein, kostet erstmal nichts. Salziger Wind biegt den Strandhafer auf weißen Dünen und trägt den Duft der blühenden Heide ans Meer. Nachts liegt der silberne Mond in eine Wolke gebettet wie eine Münze auf Samt. Im Sand schlafen Schafe, und hinterm dunklen Damm sitzen Pfadfinder am Lagerfeuer. Nicht weit davon steht ein Häuschen, das ist die Naturschutzstation. Der Mann, der hier morgens die Vögel zählt, trinkt  abends auf einer kleinen Bank Wein. Was gibt’s zu sagen? Jetzt ist die Zeit, da der Knutt aus dem hohen Norden nach Sylt kommt, ein gedrungener Schnepfenvogel, der sich im Watt fettfrisst vor seinem Flug nach Afrika.

Am Strand: Auch Schafe genießen die Insel. Sie bewegen sich vielerorts frei.
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