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Bundeswehrgeheimnisse : Ein Spion vor Gericht

Der 51 Jahre alte Deutsch-Afghane sitzt im Saal des Oberlandesgerichts neben seinem Anwalt Ulrich Sommer (l). Bild: dpa

Ein Dolmetscher der Bundeswehr soll geheime Informationen an Iran verraten haben. Die Sache ist so brisant, dass selbst die Anklageschrift geheim bleibt.

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          Der Mann, der gegenüber dem iranischen Geheimdienst so auskunftsfreudig gewesen sein soll, schweigt jetzt. Er schweigt im Gerichtssaal, und er schweigt auch gegenüber seinem Anwalt. Vielleicht wird sich Abdul S. im Laufe des Gerichtsprozesses noch zu den Vorwürfen äußern, aber nicht an diesem Morgen, an dem er in Handschellen in Saal 10 geführt wird. Er nickt freundlich den Journalisten und Zuschauern zu, die durch eine Glasscheibe vor ihm geschützt sitzen. Denn von Abdul S., schwarzer Anzug, violettes Hemd, gepflegter Bart, soll eine Gefahr ausgehen. Er ist wegen Landesverrats in einem besonders schweren Fall angeklagt. Abdul S. soll Informationen der Bundeswehr, die als geheim eingestuft waren, an den iranischen Geheimdienst weitergegeben und für seine Spionage etwa 60.000 Euro erhalten haben. Im äußersten Fall droht ihm lebenslange Haft.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Seit fast 20 Jahren arbeitete der Deutsch-Afghane als Dolmetscher und landeskundlicher Berater für das Kommando Strategische Aufklärung der Bundeswehr in der Heinrich-Hertz-Kaserne im rheinland-pfälzischen Daun. Er gehörte dem geheimen Bataillon Elektronische Kampfführung an. Die dort arbeitenden Spezialisten hören feindliche Kommunikation ab, außerdem stören sie fremde Sender und schützen den bundeswehreigenen Funkverkehr. Abdul S. soll Zugang zu „brisanten Informationen“ gehabt haben.

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