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Ein Jahr nach der Love-Parade-Katastrophe : Sauerland schließt Rücktritt nicht aus

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„Die Love-Parade-Katastrophe begleitet mich 24 Stunden meines Tages” Bild:

Der Duisburger Oberbürgermeister Sauerland kündigt im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung „politische Konsequenzen“ für den Fall an, dass „in meinem Aufgabenbereich Fehler nachgewiesen werden“. In diesem Fall trete er zurück oder lasse sich abwählen.

          Eine Woche vor dem Jahrestag der Love-Parade-Katastrophe, bei der 21 Menschen im Gedränge ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden waren, hat der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) „politische Konsequenzen“ für den Fall angekündigt, dass „in meinem Aufgabenbereich Fehler nachgewiesen werden“. In diesem Fall „trete ich zurück oder lasse mich abwählen, mache aber auf jedem Fall den Weg frei“, sagte Sauerland im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

          Zugleich bekräftige der Oberbürgermeister seine Überzeugung, dass die Verwaltung der Stadt Duisburg keinen Fehler gemacht habe, „der ursächlich zu dieser schrecklichen Katastrophe geführt hat“. Er sei sich auch heute noch sicher, dass das Duisburger Verwaltungshandeln korrekt war. Abschließend würden darüber selbstverständlich Gerichte entscheiden. Die Staatsanwaltschat ermittelt bislang gegen 16 Personen wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung, darunter elf Mitarbeiter der Stadt Duisburg.

          Sauerland gab zu verstehen, dass er eine Veranstaltung wie die Love Parade heute nicht mehr für genehmigungsfähig hält. „Seit der Love-Parade-Katastrophe muss man sich fragen, ob man immer größere Mammutveranstaltungen haben muss und ob es richtig war, eine Veranstaltung, die eigentlich aus Berlin stammt und für Berlin gemacht wurde, zu übernehmen.“ Die Love-Parade-Katastrophe sei nicht nur das schlimmste Ereignis in seiner Amtszeit, sondern das schlimmste Ereignis in seinem Leben. „Es wäre zu kurz gegriffen zu sagen, dass ich mit dem Ereignis aufstehe und mit dem Ereignis ins Bett gehe. Die Love-Parade-Katastrophe begleitet mich 24 Stunden meines Tages.“

          „Egal was ich tue, manche wollen es als falsch sehen“

          Zugleich beklagte Sauerland, nach der Katastrophe niedergemacht worden zu sein. „Egal was ich tue, manche wollen es als falsch sehen, gar als verwerflich abqualifizieren. Dass ich als ein gefühlloser Politiker dargestellt werde, der an seinem Sessel klebt, schmerzt mich sehr, denn ich will meiner Verantwortung gerecht werden.“ Sauerland gestand zwar ein, er habe direkt nach der Katastrophe Zeit gebraucht, um „rechtlich korrekte Aussagen über Verantwortung und Entschuldigung zu finden“. Er widersprach aber Darstellungen, er habe erst am vergangenen Montag Worte des Bedauerns gefunden, und verwies auf seinen Auftritt im Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags im vergangenen September und sein Weihnachtsgrußwort.

          „Ich habe darüber hinaus keine medialen Großereignisse gesucht, um mich zu entschuldigen. In aller Stille habe ich Kontakt zu Opferangehörigen geknüpft“, sagte Sauerland der F.A.S. Dass ein Teil der Angehörigen seine Anwesenheit bei der Gedenkveranstaltung am kommenden Sonntag nicht wünsche, respektiere er selbstverständlich. Sauerland sprach sich dafür aus, den Unglücksort am ehemaligen Duisburger Güterbahnhof als Gedenkstätte zu erhalten. Seine Verwaltung verhandle derzeit mit dem Eigentümer des Geländes und den Angehörigen, er selbst begleite den Prozess. „Im Gespräch ist, den Unglücksort mit Glas zu überdachen. Es darf kein dunkler Ort werden.“

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