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Friedrich Merz in Harvard : Applaus für den Kritiker

Friedrich Merz spricht nach einem Besuch des Boston Symphony Orchestra mit Gästen. Bild: dpa

Ein halbes Jahr nach Angela Merkel tritt Friedrich Merz in Harvard auf. Offene Kritik vermeidet er. Aber man weiß immer, wer gemeint ist, wenn er seine Vorschläge formuliert.

          3 Min.

          Ein halbes Jahr nach Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es ihren derzeit lautesten Kritiker Friedrich Merz auf den Campus der Harvard-Universität nach Cambridge gezogen. Merkel war von den Studenten bei der Commencement-Zeremonie im Mai als „Weltkanzlerin“ gefeiert worden, aber inzwischen haben sich auch in Neuengland die Zweifel unter den an Europa interessierten Studenten verstärkt. Warum wirkt die große Koalition wie gelähmt, wenn es um den im Koalitionsvertrag vereinbarten Aufbruch für Europa geht? Wie will die Bundesregierung 30 Jahre nach dem Mauerfall ihre außen- und sicherheitspolitische Verantwortung wahrnehmen? Antworten darauf hatte Merz bei seinem Auftritt vor der „German American Conference at Harvard“ parat, die jedes Jahr mit großem ehrenamtliche Engagement von Studenten als internationales Diskussionsforum organisiert wird.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der CDU-Politiker holte an der Harvard Kennedy School of Government zu einer außen- und sicherheitspolitischen Grundsatzrede aus, die frei von offener Kritik an der zuvor beklagten „grottenschlechten Regierung“ in Berlin war. In gewandtem Englisch legte Merz dar, dass die multilateralen Institutionen der Nachkriegsordnung zukünftig weiter an Bedeutung verlieren würden. Ein Zurück zur Pax Americana werde es nicht geben. Das führte der langjährige Vorsitzende der Atlantik-Brücke nicht nur auf den Unwillen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zurück, die Schutzmachtrolle wie bislang in einem multilateralen Rahmen auszuüben. Der „Westen“ habe schlicht an Einfluss verloren.

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