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Ost-West-Konflikt : Jeder dritte Deutsche fürchtet Krieg mit Russland

Der neue russische Kampfpanzer T-14 fährt im Mai bei der Parade zum Sieg über Nazi-Deutschland über den Roten Platz in Moskau. Bild: dpa

Das schlechte Verhältnis zwischen Moskau und dem Westen führt zu einer weit verbreiteten Angst der Deutschen vor einem militärischen Konflikt. Was die Nato gerade plant, dürfte diese Sorgen nicht zerstreuen.

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          Ein Drittel der Deutschen fürchtet einen Krieg mit Russland. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“. Unter AfD-Anhängern ist diese Furcht sogar noch weiter verbreitet, 63 Prozent halten demnach eine Auseinandersetzung mit Russland für möglich. 64 Prozent der Befragten teilen diese Sorge nicht. Das Verhältnis zu Moskau sehen aber trotzdem mehr als die Hälfte der Befragten als belastet an: 51 Prozent bezeichneten es als weniger gut, 41 Prozent als schlecht und nur sechs Prozent als gut.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Die Beziehungen von Russland zum Westen sind seit Jahren belastet. Durch die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim und die Unterstützung von Separatisten im Osten der Ukraine, die dort einen Krieg zur Abspaltung von dem Land führen, hat sich der Kreml gegen die Ordnungs- und Friedensvorstellungen des Westens gestellt und das internationale politische System nach dem Ende des Ost-West-Konflikts stark erschüttert.

          Die Bundesregierung engagiert sich im sogenannten Normandie-Format für ein Ende des Krieges im Donbass. Das wird auch von einer Mehrheit der Deutschen unterstützt. 84 Prozent der in der Forsa-Umfrage befragten Deutschen sagten, es sei richtig, dass Kanzlerin Merkel weiter das Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin suche. Nur 14 Prozent halten die Gespräche für sinnlos. Das Lob für Merkel erfolgt dabei überparteilich. 95 Prozent der Grünen-Anhänger, 92 Prozent der Linken-Wähler und auch 87 Prozent der AfD-Sympathisanten bezeichnen den Kurs Merkels als richtig.

          Befeuert werdend die Befürchtungen der Menschen von gegenseitigen Rüstungsplänen der Nato und Russlands. So treffen die Verteidigungsminister des Verteidigungsbündnisses am Mittwoch in Brüssel zusammen, um Truppenverlegungen nach Osteuropa zu besprechen. Mehrere Tausend Soldaten sollen in Polen, Estland, Lettland und Litauen stationiert werden. Die Bundeswehr wird dabei die Führung eines Verbandes in Litauen übernehmen. Mit diesen Plänen reagiert die Nato auf Befürchtungen der östlichen Mitgliedstaaten, sie könnten ins Visier des Kremls geraten.

          Diese Sorgen wurden von der Ankündigung Russlands vertieft, Iskander-Raketen in der Exklave Kaliningrad zu stationieren. Diese Mittelstreckenraketen haben eine Reichweite von 400 Kilometern und können mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Auch das Eingreifen Russlands in Syrien und der Marsch eines Flugzeugträgergeschwaders in das Mittelmeer werden als russische Versuche aufgefasst, Stärke zu zeigen. Ein von Russland so wahrscheinlich nicht geplantes positives Ergebnis in diesem Zusammenhang ist ein Streit zwischen Spanien und den restlichen Nato-Staaten. Spanien wollte der „Admiral Kusnezow“, dem russischen Flugzeugträger, erlauben, in der spanischen Exklave Ceuta nachzutanken. Das führte zu Verstimmungen bei den Verbündeten. Gerade auch, weil Spanien es schon anderen russischen Schiffen erlaubt hatte, in Ceuta nachzutanken.

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          Russland wiederum fühlt sich durch dieses Vorgehen der westlichen Staaten umzingelt und bezichtigt die Nato, Russland gegenüber eine aggressive Politik zu verfolgen. So protestierte die russische Regierung auch gegen die Stationierung von amerikanischen Soldaten in Norwegen, die am Montag bekannt geworden war. Diese Truppenverlegung werde die Sicherheitslage in Nordeuropa „sicherlich nicht verbessern“, hieß es aus der russischen Botschaft in Oslo. Offiziell kommen die amerikanischen Soldaten zu Trainingszwecken ins Land. Als Norwegen 1949 Mitglied der Nato wurde, hatte man der Sowjetunion zugesagt, keine Nato-Kampftruppen in das Land zu entsenden.

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