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Bundeswehr : Piloten haben vor eigenen Hubschraubern Angst

  • Aktualisiert am

Bundeswehrhubschrauber vom Typ NH90 Bild: dpa

Viele Piloten der Bundeswehr zweifeln an der Zuverlässigkeit des Hubschraubers NH90. Obwohl ein Hubschrauber fast abgestürzt wäre, hob die zuständige Dienststelle kürzlich sämtliche Beschränkungen für den Flugbetrieb auf. Das sehen viele Soldaten kritisch, berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

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          Piloten der Bundeswehr sind tief verunsichert wegen des Umgangs der Truppe mit dem Flugunfall eines NH90-Transporthaubschraubers. „Die Soldaten zweifeln an der Zuverlässigkeit des Helikopters und misstrauen den Einschätzungen der offiziellen Stellen“, sagte Reinhard Schlepphorst, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft des fliegenden und luftfahrzeugtechnischen Personals der Transport- und Hubschrauberverbände der Bundeswehr, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.).

          Nach seinen Angaben haben NH90-Piloten kurz nach dem Beinahe-Absturz, der sich im Juni am Standort Termez in Uzbekistan ereignete, sogar den Flugbetrieb in Afghanistan verweigert. Sie hätten nur noch Einsätze zur Rettung von verwundeten Kameraden fliegen wollen. An den deutschen NH90-Stützpunkten sollen Soldaten erwägen, sich flugunfähig zu melden, nachdem die zuständige Bundeswehr-Stelle kürzlich sämtliche Beschränkungen für den Flugbetrieb mit NH90 aufgehoben hat.

          Fehler könnte nochmals auftreten

          Schon die Besatzung des beinahe abgestürzten Hubschraubers hatte eindeutige Hinweise auf eine „flugsicherheitsgefährdende Störung“ gesehen. In einem solchen Fall ist es üblich, als Vorsichtsmaßnahme sämtliche Hubschrauber desselben Typs am Boden zu lassen, bis die Unfallursachen geklärt sind.  Gleichwohl dauerte es fünf Monate, bis die Bundeswehr ein Expertenteam nach Termez schickte. Es bestätigte den Verdacht der Besatzung und urteilte in seinem internen Bericht vom 14. November, der der F.A.S. vorlag: „Nach hiesiger Einschätzung ist es nicht möglich auszuschließen, dass dieser Fehler … an anderen NH90 der Flotte nochmals auftritt.“

          Der General Flugsicherheit der Bundeswehr verhängte daraufhin am folgenden Tag eine Flugsperre für die NH90-Flotte. Am 18. November wurde sie wieder aufgehoben. In der Begründung hieß es laut F.A.S.: „Die Kombination eines Triebwerkausfalls in Verbindung mit der (...) Fehlfunktion (…) wurde seitens der Firma als extrem unwahrscheinlich eingestuft und liegt damit innerhalb der akzeptierten Ausfallwahrscheinlichkeit.“ Bei den Piloten sorgte diese Berufung auf den Hersteller für Kopfschütteln und Unmut.

          Am vergangenen Mittwoch informierte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Obleute des Verteidigungsausschusses über ihre Entscheidung, insgesamt 190 Hubschrauber der Typen NH90 und Tiger für 8,5 Milliarden Euro zu bestellen. Über den Vorfall in Termez und die alarmierenden Prüfungsberichte erfuhren die Abgeordneten nichts, wie die F.A.S. berichtet.

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