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Ehrenkreuz für Tapferkeit : Besonderes sichtbar machen

  • -Aktualisiert am

Besondere Auszeichnung: Das Ehrenkreuz für Tapferkeit Bild: Bundesministerium der Verteidigung

Künftig können Soldaten mit dem „Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit“ ausgezeichnet werden - zu tragen am Bande, wie einst das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse. Die Auszeichnung wird für „außergewöhnlich tapfere Taten“ verliehen.

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          An eine Wiederbelebung des Eisernen Kreuzes sei nicht gedacht, hatte Verteidigungsminister Jung (CDU) sofort verlautbaren lassen, als am 6. März Bundespräsident Köhler seinen Vorschlag billigte, einen Orden für „außergewöhnlich tapfere Taten“ zu stiften (siehe Gastbeitrag: Verteidigungsminister Jung über das neue Ehrenkreuz). Darin sähe das Verteidigungsministerium wohl die Verbindungslinie zu einer heiklen Tradition, gerade mit Blick auf den von der Wehrmacht geführten rassenideologischen Vernichtungskrieg.

          Verdiente Persönlichkeiten auszuzeichnen hat indes eine alte Tradition. Im Prinzip geht es darum, das Besondere eines Einzelnen vor den vielen anderen sichtbar zu machen - ob es sich nun um große Leistungen oder außergewöhnliche Tapferkeit handelt. Damit einher ging oft die Klage, dass Orden viel zu großzügig verliehen würden.

          Geschichte der Kriegsauszeichnung

          So notierte schon der preußische Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1796: „Um nun aber denen Belohnungen, die freilich öfters in der Realität nur imaginär sind (als zum Beispiele: Titeln, Rang, Ordensbänder usw.), zu würklichem Werth zu verschaffen und um selbige gehörig zu nutzen, so gehe man damit nicht verschwenderisch um, so wird es würkliche Belohnung für ausgezeichnete Menschen, und erhalten diese Dinge dadurch einen würklichen Werth. Ein Fürst verachte selbige daher nicht, er gebe sie aber auch keinem Unwürdigen; denn wird davon gemißbraucht, so fällt die Sache von selbst zu ihrem eigentlichen Nichts.“

          In Preußen gab es als bedeutendste Auszeichnung seit 1701 den „Hohen Orden vom Schwarzen Adler“. Der Orden mit der Devise „Suum cuique“ (Jedem das Seine) war bis 1918 mit dem erblichen Adel verbunden. Außerdem führte Friedrich der Große 1740 den Orden „Pour le Mérite“ (Für das Verdienst) ein. Diesen gab es in der militärischen Klasse bis 1918, in der zivilen existiert er seit 1952 mit der Bezeichnung „Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste“ fort. Die Ordensträger der militärischen Klasse bildeten eine eigene Ritterschaft und erhielten einen lebenslangen Ehrensold. Im Ersten Weltkrieg wurde der „Pour le Mérite“ beispielsweise 132 Jagdfliegern verliehen, unter ihnen Manfred von Richthofen. Wegen der Flieger-Legende Max Immelmann und der dunkelblauen Farbe des Ordens nannte man ihn auch „Blauer Max“. Der letzte Ordensritter war der 1998 verstorbene Schriftsteller Ernst Jünger, der auch der Friedensklasse angehörte.

          Für Pflichterfüllung und Zurückhaltung

          Das Eiserne Kreuz (EK) war eine ursprünglich preußische, später deutsche Kriegsauszeichnung, die erstmals König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1813 stiftete. In Form und Aussehen des Ordens wurde bewusst die Anlehnung an das Balkenkreuz des Deutschen Ordens gesucht. Der Entwurf stammte vom König selbst, die Ausführung nahm Karl Friedrich Schinkel vor. Die Auszeichnung aus schwarzen, mit Silber eingefassten Gusseisen stand symbolisch für Pflichterfüllung und Zurückhaltung eines preußischen Soldaten. Übrigens trug der mehrmals gestiftete Orden stets reliefartig das Stiftungsdatum.

          Zudem zierten 1813 den oberen Kreuzarm die Initialen des Königs Friedrich Wilhelm III. (FW), die Mitte ein Eichenlaub. 1870 und 1914 rückten das Initial der Monarchen Wilhelm I. und Wilhelm II. in die Mitte. Adolf Hitler verzichtete 1939 auf seine Initialen zugunsten des Hakenkreuzes. Es wurde nicht mehr am schwarz-weißen Band, sondern an einem schwarz-weiß-roten Band getragen. Die Stiftungen von 1813, 1870 und 1914 schlossen sowohl „Tapferkeit vor dem Feind“ als auch Verdienste ohne Kampfeinsatz in die Verleihungsbestimmungen ein. Die Stiftung von 1939 bezog sich nur auf Soldaten.

          Im Zweiten Weltkrieg unterschied man vier Stufen: Eisernes Kreuz 2. Klasse am Band (EK II), Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK I), Ritterkreuz und Großkreuz. Man schätzt die Verleihung auf drei Millionen EK II und und 450.000 EK I. Das Ritterkreuz wurde um den Hals getragen und übernahm die Funktion des „Pour le Mérite“. Dieser war allerdings - anders als das Ritterkreuz - nur Offizieren vorbehalten; für tapfere Mannschaften und Unteroffiziere vergab man bis 1918 das Goldene Militär-Verdienst-Kreuz.

          Eichenlaub statt Hakenkreuz

          Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges traten beim Ritterkreuz als weitere Stufen Eichenlaub (816 Verleihungen), Schwerter (157 Verleihungen) und Brillanten (27 Verleihungen) hinzu, angebracht auf dem Tragering des Ordensbandes. Die Großkreuz verlieh Hitler nur an Hermann Göring, der „Pour-le-Mérite“-Ritter des Ersten Weltkriegs und Luftwaffenoberbefehlshaber im Zweiten Weltkrieg war. Nach dem Ordensgesetz von 1957 ist das Tragen des EK aus dem Zweiten Weltkrieg ausschließlich ohne Hakenkreuz und mit Nachweis seines berechtigten Erwerbes erlaubt. Veteranen konnten sich „entnazifizierte“ Orden anfertigen lassen - mit Eichenlaub in der Mitte statt Hakenkreuz.

          Als zivilen Orden stiftete Bundespräsident Heuss 1951 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, „um Anerkennung und Dank sichtbar zum Ausdruck zu bringen“. Jedoch gab es in der Bonner Republik keine Tapferkeitsauszeichnungen für Soldaten. Zu den Schieß-, Tätigkeits-, Sonder- und Leistungsabzeichen der Bundeswehr-Frühzeit kamen allerdings mit den neuen Aufgaben die Einsatzmedaille (drei Stufen) für Teilnahme an Auslandseinsätzen und schon 1980 das Ehrenzeichen der Bundeswehr (vier Stufen) hinzu.

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