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Brunhilde Pomsel : Ehemalige Goebbels-Sekretärin gestorben

  • Aktualisiert am

Brunhilde Pomsel, ehemalige Sekretärin von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, bei der Premiere des Films „Ein deutsches Leben“ über ihre Lebenserinnerungen Bild: dpa

Sie war ganz nah dran am Führungszirkel der Nazis. Brunhilde Pomsel arbeitete ab 1942 als Sekretärin bei NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Vom Holocaust wollte sie aber nichts gewusst haben.

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          Die frühere Sekretärin des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels ist tot. Brunhilde Pomsel sei im Alter von 106 Jahren in der Nacht auf Samstag in München gestorben, bestätigte am Montag der Filmemacher Christian Krönes von der Produktionsfirma blackbox aus Wien. Er produzierte den Dokumentarfilm „Ein deutsches Leben“ über die Erinnerungen Pomsels. Enge Freunde der Verstorbenen hätten ihn über deren Tod informiert, sagte Krönes.

          Pomsel hatte 1942 begonnen, im Propagandaministerium der Nationalsozialisten als Sekretärin zu arbeiten. Sie war also nah dran am Führungskreis des Terrorregimes, das den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg zu verantworten hatte. Von den menschenverachtenden Plänen der Nationalsozialisten wollte Pomsel allerdings nichts mitbekommen haben. „Nichts haben wir gewusst, es ist alles schön verschwiegen worden und das hat funktioniert“, sagte sie in Krönes’ Dokumentarfilm, der am 6. April in die deutschen Kinos kommen soll. Erst nach dem Krieg sei ihr das Ausmaß der Geschehnisse bewusst geworden.

          Brunhilde Pomsel wurde am 11. Januar 1911 geboren. Sie wuchs in Berlin auf, ihre Eltern erzogen sie entsprechend des damaligen Zeitgeistes streng. Ihnen sei „preußisches Pflichtbewusstsein, ein bisschen auch dieses Sich-Unterordnen“ wichtig gewesen, sagte Pomsel rückblickend. Nach der Schule arbeitete sie bei einem jüdischen Rechtsanwalt, dann beim Rundfunk und ab 1942 im NS-Propagandaministerium.

          Pomsel über Goebbels’ Rede im Sportpalast: „ein Naturereignis“

          Ihren Chef Goebbels habe sie als gepflegten und angenehmen, wenn auch arroganten Mann erlebt. Über Goebbels’ Rede 1943 im Sportpalast in Berlin, wo der Demagoge die Masse mit der Frage „Wollt ihr den totalen Krieg?“ aufpeitschte, sagte Pomsel, die Menschen im Saal seien vor Begeisterung wie „behext“ gewesen. „Es war ein Naturereignis, die ganze Menge konnte nichts dafür und er selber wahrscheinlich auch nicht.“

          Nach dem Krieg kam Pomsel in russische Gefangenschaft. Das sei unfair gewesen, erklärte sie den Filmemachern, „weil ich ja nichts getan hatte, als bei Herrn Goebbels getippt, und was dahinter steckte, wusste ich ja alles gar nicht“. Als schuldig sehe sie sich nicht an, es sei denn, man werfe dem ganzen deutschen Volk vor, Hitler zur Macht verholfen zu haben. „Das sind wir alle gewiss gewesen, auch ich.“ Ganz unbefangen fühlte sie sich aber dennoch nicht. „Das hört ja nie auf, das weiß ich doch und das ist immer da so wie jeden Morgen die Sonne aufgeht“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa anlässlich der Deutschlandpremiere im Sommer 2016 auf dem Filmfest München. „Das hat sich natürlich in mein Leben eingefressen, was alles an Schrecklichem passiert ist.“

          Nach ihrer Entlassung aus der Gefangenschaft arbeitete Pomsel wieder als Sekretärin, ab 1950 zunächst für den Südwestrundfunk in Baden-Baden, später auch für die ARD in München. Dort lebte sie auch bis zu ihrem Tod, zuletzt in einem Altenheim.

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