https://www.faz.net/-gpf-7xpax

Edathys Auftritt in Berlin : Niemand fällt für sich allein

  • -Aktualisiert am

Edathy behauptet in seiner Eidesstattlichen Erklärung, Oppermann habe ihm konkret das Amt eines stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, eines Parlamentarischen Staatssekretärs oder eines Ausschussvorsitzenden in Aussicht gestellt. Auch mit Hartmann hatte Edathy über künftige Verwendungen gesprochen.

Ein naheliegender Vorgang. Nur eines hatte Edathy stutzig gemacht in einem Telefonat mit Hartmann am 18. Oktober soll das gewesen sein. „Wenn Du mal privat etwas hast, kannst Du Dich gerne an mich wenden“, soll Hartmann Edathy gesagt haben. Falls es stimmt, dass Hartmann da schon wusste, dass gegen Edathy ermittelt wurde, würde sich der Satz erschließen. Falls.

Dann war SPD-Parteitag. Während des Parteiabend genannten geselligen Beisammenseins sprach Edathy Hartmann an. Ihm, Edathy, ging es dabei angeblich um die Fortsetzung des Gesprächs über die weitere Karriere. Hartmann soll jedoch geantwortet haben: „Bist Du bereit für eine schlechte Nachricht?“ Dann, so die Darstellung Edathys, habe Hartmann ihn informiert, was er aus „Sicherheitskreisen“ erfahren habe: Edathys Name stehe auf einer Liste jenes kanadischen Anbieters, von dem Edathy seine Bilder erworben haben soll.

Edathy schilderte das und den Fortgang der Dinge mündlich und schriftlich am Donnerstag in allen Einzelheiten. Er wiederholte die bereits über den „Stern“ lancierte Darstellung. Hartmann hat angeblich alles gewusst und minutiös an Edathy weitergereicht.

Für den Fall, dass das stimmen sollte, so hatten die Grünen schon vor Tagen gesagt, gehe es darum, ob Hartmann sich der Strafvereitelung schuldig gemacht habe. Selten hat ein prominenter Politiker auf offener Bühne einen anderen, den er zwar nicht als Freund bezeichnet, mit dem er jedoch lange zusammengearbeitet hatte, so systematisch in Bedrängnis gebracht wie es Edathy seit Tagen und vor allem am Donnerstag mit Hartmann machte.

Auch Oppermann und Steinmeier als frühzeitige Mitwisser?

Doch Edathy blieb nicht bei Hartmann stehen. Er erzählte: Schon auf dem Parteitag im November soll Hartmann gesagt haben, dass auch Oppermann und der heutige Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der damals SPD-Fraktionsvorsitzender war, von den Ermittlungen des BKA gewusst hätten.

Immer wieder zielte Edathy auf Oppermann. Dessen Büroleiter Heiner Staschen soll Hartmann am 26. Januar 2014 angesprochen haben auf Edathy mit den Worten: „Wie geht das eigentlich weiter mit Sebastian? Der ist doch nicht mehr tragbar.“

Was er von Oppermann hält, machte Edathy unmissverständlich deutlich, als er eine Begebenheit vom Tag der Wahl Angela Merkels zur Bundeskanzlerin im Herbst vorigen Jahres erzählte. Er, Edathy, sei zu spät gekommen, sei nicht da gewesen, als die Namen aller Abgeordneten vor der Abstimmung verlesen worden seien. Zur Abstimmung selbst sei er jedoch rechtzeitig erschienen.

Als er noch nicht im Saal war, sei Oppermann zu Hartmann gegangen und habe diesen gefragt, was man mache, wenn Edathy sich umgebracht haben sollte. Nicht ohne theatralische Note warf Edathy am Donnerstag die Frage auf, ob er Oppermann so eine Bemerkung zutraue. Und antwortete mit einem düsteren: Ja!

Durch seinen zweistündigen Auftritt vor der Bundespressekonferenz hatte Edathy die Deutungshoheit über die Ereignisse. Die Sitzung des Untersuchungsausschusses hatte um 13 Uhr kaum begonnen, da wurde sie schon wieder für eine Stunde unterbrochen, weil Edathy den Abgeordneten erst die Gelegenheit geben wollte, seine Erklärung und den zur Verfügung gestellten SMS-Verkehr zwischen ihm und Hartmann zu studieren.

Der Moment, da der Rest der SPD anfangen konnte, eine eigene Sicht der Dinge zu präsentieren, vor allem der Beginn der Befragung Hartmanns schob sich immer weiter nach hinten. Es war schon mitten am Nachmittag, als die Vorsitzende des Ausschusses, die SPD-Abgeordnete Eva Högl damit beginnen konnte, sich mit Edathy zu streiten, seine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, etwa, indem sie den Wert seiner Eidesstattlichen Erklärung bezweifelte. Edathy hatte da schon einen ordentlichen Vorsprung.

Weitere Themen

Welche Corona-Regeln gelten künftig? Video-Seite öffnen

Livestream : Welche Corona-Regeln gelten künftig?

In Berlin informieren Kanzlerin Angela Merkel sowie Markus Söder und Michael Müller über die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen zu den künftigen Corona-Einschränkungen. Verfolgen Sie die Pressekonferenz im Livestream.

Topmeldungen

Musste zurückziehen: Neera Tanden im Februar in Washington

Amerikanische Regierung : Bidens erste Niederlage

Neera Tanden sollte das Haushaltsbüro von Joe Bidens Regierung leiten. Ihr Scheitern im Senat zeigt das Gewicht der Zentristen in der demokratischen Partei.
Das Finanzimperium von Lex Greensill steht vor dem Aus.

Finanzaufsicht sperrt Bank : Aufstieg und Fall des Lex Greensill

Hinter der in Schieflage geratenen Greensill Bank steht die steile Karriere eines australischen Bauernsohns. Die findet jetzt ein abruptes Ende: Sein Finanzimperium kollabiert, Gläubigerschutz wurde beantragt. Auch deutsche Sparer sind betroffen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.