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Ebola-Bekämpfung in Deutschland : Warten auf die Seuche

  • -Aktualisiert am

Schulung für mögliche Ebola-Helfer zum Umgang mit hochansteckenden Patienten Bild: dpa

In sieben deutschen Krankenhäusern können Ebola-Patienten behandelt werden. Die Kapazitäten der Sonderisolierstationen sind aber sehr schnell erschöpft. Ein Anstieg der Patientenzahlen könnte zum Problem werden.

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          Schon eine Sekunde des Abschweifens kann bei Pflegern zu einer Infektion mit Ebola führen. Die an dem Virus erkrankte spanische Krankenschwester Teresa Romero etwa berührte beim Ablegen ihrer Schutzkleidung nach eigener Aussage mit einem Handschuh ihr Gesicht und infizierte sich vermutlich auf diese Weise. Auch die Infektion der Pflegerin des an Ebola verstorbenen Thomas Eric Duncan in Dallas wird von amerikanischen Behörden auf einen „breach in protocol“, einen Verstoß gegen die Verhaltensregeln, zurückgeführt. Dass in Deutschland vorerst nicht mit Infektionen von Pflegern zu rechnen ist, liegt an höheren Sicherheitsvorkehrungen als in Madrid oder Dallas. Die Verhaltensregeln des amerikanischen Zentrums für Seuchenkontrolle und Prävention (CDC) sind weniger strikt als die Sicherheitsvorkehrungen, die bei den bisher in Deutschland behandelten Ebola-Patienten angewendet wurden.

          Der hohe Aufwand, der in der Bundesrepublik betrieben wird, könnte manche Krankenhäuser gleichwohl schnell an ihre Belastungsgrenze bringen. In sieben Zentren können hierzulande Ebola-Patienten behandelt werden, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sprach kürzlich von rund 50 möglichen Ebola-Behandlungsplätzen – eine Zahl, die auf Angaben der Bundesländer beruht. Der Leiter der Sonderisolierstation am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus, Eduard Stange, widerspricht dieser Einschätzung allerdings: „Auf Bundesebene ist die Zahl von fünfzig Betten für Ebola-Patienten sehr hoch gegriffen, höchstens zwanzig Fälle sind auf höchster Schutzstufe kontrolliert zu bewältigen“, sagt Stange.

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          Auch der Leitende Oberarzt des Leipziger St. Georg Klinikums, Thomas Grünewald, rechnet mit Problemen, sollte die Zahl der Ebola-Patienten in Deutschland ansteigen: „Bei fünfzig Ebola-Patienten in den Sonderisolierstationen wäre der höchste Infektionsschutz für Personal und Bevölkerung weiterhin gewährleistet – jedoch könnten wegen des sehr hohen Personalbedarfs pro Patient die einzelnen Erkrankten wahrscheinlich nicht mehr auf höchstem medizinischen Niveau versorgt werden“, sagt Grünewald. Nach Einschätzung des Leiters des Fachbereichs Infektiologie im Frankfurter Stadtgesundheitsamt, Antoni Walczok, ist die Behandlung von fünfzig Ebola-Patienten „das absolute Maximum unter optimalen Bedingungen“ Zwar seien die „baulichen Kapazitäten“ vorhanden, um so viele Infizierte von der Bevölkerung zu isolieren, sowohl „personell als auch materiell“ würde dies jedoch eine „gewaltige Herausforderung darstellen“, sagte Walczok dieser Zeitung. Besonders die Intensivbetreuung sei sehr aufwändig.

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          In Stuttgart könnten von den theoretisch vier Behandlungsplätzen in Wirklichkeit nur einer oder höchstens zwei genutzt werden, sagt auch Katja Rothfuß. Sie ist Oberärztin der Inneren Medizin und arbeitet in der Arbeitsgruppe von Stange mit 21 weiteren Ärzten und 24 Pflegern. Die Sonderisolierstation verfüge nicht einmal über genügend Beatmungsgeräte, sollten in den zwei Spezialzimmern jeweils zwei Ebola-Patienten liegen, sagt Rothfuß.

          Die Sicherheitsvorkehrungen in den Sonderisolierstationen orientieren sich an der höchsten Gefahreneinstufung nach der EU-Richtlinie 2000/54/EG, der Schutzstufe vier. Das Schleusensystem in das Behandlungszimmer besteht aus mehreren Druckkammern, für die Luftzufuhr wird an den Schutzanzügen ein Gebläse mit Filteraufsatz angebracht. Allein die Prüfliste zum Anlegen der Schutzkleidung umfasst mehr als dreißig Punkte. Für das Betreten des Behandlungszimmers gibt es ebenfalls ein Protokoll, zum Verlassen des Zimmers samt Formaldehyd-Dusche muss eine weitere Liste beachtet werden – wie für fast jeden Arbeitsschritt, den ein Arzt und zwei Pfleger während ihres drei Stunden langen Aufenthalts bei einem hochansteckenden Patienten zu bewältigen haben.

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