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Durchsuchungen : Wurden Hells Angels vorgewarnt?

  • -Aktualisiert am

Am Mittwoch: Die Berliner Polizei übersprüht ein Symbol der örtlichen Hells Angels Bild: dapd

Ein Berliner Polizeibeamter hat die örtlichen Hells Angels offenbar über geplante Durchsuchungsaktionen informiert. Ein Zeuge belastet derweil den Hells-Angels-Machthaber Hanebuth schwer.

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          Als „unfassbar“ hat es Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Freitag im RTL-Radio bezeichnet, dass Berliner Rockerclubs vom bevorstehenden Verbot und den geplanten Durchsuchungen vorher Kenntnis hatten. Vor dem Innenausschuss des Abgeordnetenhauses wird die Vizepräsidentin Margarete Koppers am 11. Juni über den Stand der internen Ermittlungen berichten. Es wird vermutet, dass ein Polizeibeamter die „Hells Angels“ von den geplanten Aktionen informierte. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux, forderte Innensenator Frank Henkel (CDU) auf, dafür zu sorgen, dass jede mögliche Nähe von Polizisten „zu Rockerkriminalität aufgeklärt und geahndet wird“.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Unterdessen wurde bekannt, dass die Razzien in der vergangenen Woche, bei denen 1200 Polizisten in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein im Einsatz waren, und die Suche nach der Leiche eines seit zwei Jahren vermissten Türken offenbar zurückgehen auf die Aussagen eines ehemaligen Rockers vor dem Kieler Landgericht. Der Mann, der nach seiner Aussage in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen wurde, belastete vor allem den Präsidenten der „Hells Angels“ Hannover, Frank Hanebuth, schwer. Dessen Haus bei Hannover war im Zuge der Razzien durchsucht worden. Der Kieler Rocker sagte aus, Hanebuth spiele für die Rocker in ganz Deutschland eine besondere Rolle, auch für die Kieler „Hells Angels“. Für den Gebrauch von Schusswaffen sei sein Einverständnis notwendig gewesen. Über das Schicksal des vermissten Türken sagte der ehemalige Rocker aus: „Die Entscheidung hat Hanebuth getroffen und grünes Licht gegeben, dass wir ihn entsorgen.“

          Frank Hanebuth

          Die Kieler Staatsanwaltschaft sucht seit einer Woche die Leiche des Türken in einer Lagerhalle der „Hells Angels“ in Altenholz bei Kiel, in deren Fundament die Leiche einbetoniert worden sein soll. Bislang hatte die Suche keinen Erfolg. Vom Mord an dem Türken will der frühere Rocker auf einer Weihnachtsfeier 2010 erfahren haben. Der Türke sei von „Hells Angels“ stundenlang gefoltert, angeschossen und schließlich mit einem Kopfschuss getötet worden. Bei der Razzia in Kiel war ein Folterkeller entdeckt worden.

          Zum Motiv für den Auftragsmord sagte der Angeklagte, es sei um Waffengeschäfte, Prostitution und viel Geld gegangen. Zudem soll der Türke selbst einen Kurden getötet haben, dessen Vater daraufhin ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt haben soll. Hanebuth selbst wies alle Vorwürfe zurück. Er kenne den ehemaligen Rocker überhaupt nicht. „Der erzählt eine Riesengeschichte, um sich zu retten.“ Tatsächlich hofft der Angeklagte als Kronzeuge der Kieler Staatsanwaltschaft auf Strafmilderung. Er muss sich unter anderem wegen Menschenhandels, räuberischer Erpressung und Körperverletzung verantworten.

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