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Duisburgs Oberbürgermeister : Arche Sauerland

Im Oktober 2011: Adolf Sauerland glaubt fest daran, dass die Stadt Duisburg keine Schuld am Love-Parade-Unglück trägt Bild: laif

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland muss sich wegen der Katastrophe bei der Love Parade einem Abwahlversuch stellen. Er kann nur verlieren.

          Es ist ein guter Termin für Adolf Sauerland. Das Damwildgehege im Volkspark im Duisburger Stadtteil Rheinhausen ist, wie es der Oberbürgermeister nennt, eine kleine Arche inmitten der Großstadt. Er als Schirmherr sei sehr froh, dass die Duisburger Gelegenheit hätten, im Herzen Rheinhausens nicht nur Ruhe und gute Luft zu genießen, sondern neben Damwild auch Truthähne, Gänse, Enten, Fasane und andere Tiere kennenlernen könnten.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Besonders großartig aber findet das Duisburger Stadtoberhaupt, dass es die Bürger selbst sind, die das Damwildgehege seit bald zwölf Jahren ehrenamtlich am Leben erhalten. Denn Duisburg ist pleite, darf kein Geld mehr für sogenannte freiwillige Aufgaben wie ein Damwildgehege ausgeben. Doch der „Freundes- und Förderkreis Damwildgehege-Reinhausen“ ist so rege, dass er zusammen mit dem Jobcenter Duisburg und vielen Freiwilligen sogar eine kleine Waldschule im Volkspark gebaut hat.

          Sauerland beschädige die Würde des Amts

          Der Volkspark-Besuch ist eine schöne Abwechslung für Sauerland im Ringen mit einer anderen Bürgerbewegung. Etwa 80.000 Unterschriften hat die Initiative „Neuanfang für Duisburg“ im vergangenen Jahr gesammelt, um ein Abwahlverfahren gegen ihn in Gang zu setzen. Seit der Love-Parade-Katastrophe vor eineinhalb Jahren befinde sich Duisburg in einer schweren Führungskrise. Sauerland beschädige die Würde des Amts und müsse deshalb weg, findet die Initiative. Sehen das beim ersten Abwahlversuch gegen einen Oberbürgermeister in der nordrhein-westfälischen Geschichte am kommenden Sonntag mindestens 92.000 Duisburger auch so, hat Sauerland sein Amt verloren.

          Die Eröffnung der Waldschule in Rheinhausen ist in diesen Tagen also einer der wenigen unbeschwerten Termine für das Stadtoberhaupt. Auch wenn sich, während draußen die Bläser des Musikcorps „Die Begrüßung der Männer in Grün“ spielen, drinnen kurz die Frage stellt, wohin mit dem Oberbürgermeister. Denn auf dem ihm zugedachten Ehrenplatz sitzt Sauerland mitten im Lichtstrahl des Projektors. Ein massiger Sauerland-Schatten fällt an die Wand, dort wo eigentlich ein stolzer Hirsch zu sehen sein sollte. Also stellt sich der Oberbürgermeister an den Rand, bis er ans Rednerpult darf.

          Aufforderung: Seine Gegner brauchen 92.000 Stimmen

          Adolf Sauerland, der CDU-Mann, der es 2004 vermochte, die mehr als 50 Jahre währende Vorherrschaft der SPD in Duisburg zu brechen, war lange ein über die Parteigrenzen beliebtes Stadtoberhaupt. Bis zum 24. Juli 2010 galt er den Duisburgern als hemdsärmeliger Machertyp. Doch nach dem Love-Parade-Unglück, bei dem 21 junge Leute im Gedränge starben und 500 verletzt wurden, trat er höchst verunsichert und ungeschickt auf.

          Mit verschwurbelten Sätzen versuchte Sauerland sich herauszuwinden. Auch weil es Todesdrohungen gegen ihn gab und bei einer Demonstration vor dem Rathaus ein selbstgemachter Galgen hochgehalten wurde, verschanzte er sich. Noch nicht einmal zur offiziellen Trauerfeier seiner Stadt eine Woche nach dem Unglück traute er sich. Später suchte Sauerland sich und seine Stadtverwaltung durch ein Rechtsgutachten von jeder Schuld an der Katastrophe freizusprechen.

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