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Duell der SPD-Kandidaten : Hart und vernichtend

Olaf Scholz und Klara Geywitz während einer Live-Stream-Debatte am Dienstagabend anlässlich der bevorstehenden Stichwahl. Bild: dpa

Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

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          Fünf Minuten bevor das Kandidaten-Duell der SPD im Internet losgehen soll, verschwindet die Partei erst mal von der Bildfläche. „Entschuldigung, Wartungsarbeiten. Wir sind gleich wieder für Sie da.“ Eine kleine Panne im großen Internet. Aber irgendwie typisch SPD. Seit sechs Monaten ist die deutsche Sozialdemokratie mit Wartungsarbeiten an sich selbst beschäftigt. So viel Zeit ist bereits seit dem Rücktritt der Parteivorsitzenden Andrea Nahles vergangen. Bis zum Spätsommer konnte man sich für die Nachfolge bewerben, am besten paarweise. Dann kam eine große Rundreise über 23 Regionalkonferenzen mit anfangs 17 Kandidaten. Dieser Abend nun begann wie die Zeitlupenversion einer dieser vielen Abende auf dem Bewerber-Karussell. Doch dann gingen Olaf Scholz und Klara Geywitz zum Angriff über.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Mit der ganzen Wucht seiner Erfahrung, seines Fachwissens und einer völlig unerwarteten Angriffslust fiel Scholz über das gegnerische Paar Saskia Esken und Nobert Walter-Borjans her, die sich über die Wochen als Groko-Kritiker und Kleinmacher all dessen profiliert haben, was Scholz, die anderen Minister und Hunderte bienenfleißige Sozialdemokraten im Bundestag und den Ministerien für ihre Partei herausgeholt haben. Das „Klimapaketchen“, wie es Esken nennt – findet Scholz überaus toll, von der Fraktion fast einstimmig angenommen. „Da kann es ja sooo schlecht nicht sein …“  Und was Esken fordere sei entweder „wirtschaftsliberales Konzept“ oder „würde alles über Bord werfen, was wir an Datenschutz haben“. Esken schnappt nach Luft: „Ziemlich verfroren“ nennt sie diesen Vorwurf – sie und marktliberal.

          Dann nörgelt sie weiter. Schlechtreden, was Scholz und die SPD in den vergangenen Jahren gemacht haben, davon hat sie auf den Regionalkonferenzen gelebt. Vom Schlechtmachen der anderen ist die SPD so krank geworden, wie sie heute ist, findet Scholz. Esken meint, alle versagen: Der Markt, der Staat und vor allem Scholz. Doch diesmal dreht Scholz den Spieß um. Punkt um Punkt verwickeln er und Geywitz die argumentativ fast wehrlose Esken und den schwach dagegen haltenden Walter-Borjans in Detaildebatten, etwa um die CO2-Bepreisung, bei denen sie auch noch bei der dritten Zwischenfrage der hoch motivierten Moderatorin die fachliche Oberhand behalten. Einmal sagt Scholz zu einem Einwand von Borjans: „Erstens stimme ich Dir vollständig zu, zweitens hat es mit dem Thema, über das wir reden, nichts zu tun.“ Die Debatte sei „schnell, klar und dynamisch“, twittert die Parteiführung um kurz nach 8. Man könnte auch sagen: Hart und vernichtend. 

          „Eigentlich erwartet man mehr von uns“

          Seit dem Ende der großen Deutschland-Tournee der Führungskandidaten hat man von der künftigen SPD-Spitze nicht mehr viel gehört. Während das Pro-Groko-Team Scholz und Geywitz sich dem Fortgang der Regierungsgeschäfte widmete - er im Kabinett und bei Koalitionsrunden, sie mehr im Stillen - tasteten sich die Groko-Skeptiker Esken und Walter-Borjans an eine gemeinsame Haltung zum Thema Ausstieg heran, nachdem sie kurz nach ihrem Wahlerfolg als Zweitplatzierte der ersten Urabstimmung zumindest ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Tempo zu haben schienen.

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