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Prozess gegen Dschihadisten : Deutsch-österreichische Terrorfreundschaft

  • -Aktualisiert am

Prozess wegen mutmaßlicher Unterstützung des IS: Einer der Angeklagten steht im Prozesssaal des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Bild: dpa

Salafistisch-dschihadistische Gefährder werden immer jünger – eine Entwicklung, die die Sicherheitsbehörden beunruhigt. Jetzt stehen zwei von ihnen in Düsseldorf vor Gericht, unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

          Kaum hat am Donnerstag die Hauptverhandlung gegen Kevin T. und Amal E. begonnen, schließt die Kammer die Öffentlichkeit wegen des jungen Alters der Angeklagten aus. Es geht nicht um mehr oder weniger lässliche Jugendsünden in diesem Verfahren. Es geht um einen Vorwurf von erheblichem öffentlichen Interesse: Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf wirft dem heute 22 Jahre alten Kevin T. aus Neuss vor, ein Anhänger der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu sein, 2016 soll er einen anderen mutmaßlichen IS-Anhänger, den in Österreich in Haft sitzenden 18 Jahre alten Lorenz K., bei Vorbereitungen für einen Bombenanschlag auf die amerikanische Militärbasis Ramstein unterstützt haben.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Auch die ebenfalls aus Neuss stammende Amal E. soll sich mit den Zielen des IS identifiziert haben. Als Lorenz K. bei Kevin T. wohnte, soll das damals noch nicht einmal 16 Jahre alte Mädchen den Österreicher nach islamischem Ritus geheiratet haben. Als dessen „Ehefrau“ habe sie Lorenz K. durch den Verkauf ihres Mobiltelefons Barmittel verschafft, damit K. die Komponenten für den geplanten Sprengsatz kaufen konnte. Auch „im Übrigen“ habe das Mädchen Lorenz K. bei dessen Anschlagsplänen unterstützt, heißt es von der Anklage allgemein.

          Wesentlich mehr über die seltsame Beziehung der beiden wird die Öffentlichkeit nicht erfahren. Denn nach eingehender Beratung schließt die 7. Strafkammer des Oberlandesgerichts Düsseldorf am Donnerstag Journalisten und Zuschauer für alle bisher geplanten 23 Prozesstage inklusive der Urteilsverkündung von der Verhandlung aus. Das Gericht folgt damit dem Antrag der Verteidigung. In beiden Fällen überwiege das schutzwürdige Erziehungsinteresse das berechtigte große Interesse der Allgemeinheit, so das Gericht.

          Der Beschluss solle aber auch der Wahrheitsfindung dienen. Ohne Öffentlichkeit werde Amal E., die seinerzeit durch die Trennung ihrer Eltern in eine Krise geraten sei, unbefangener aussagen können, hofft die Kammer. Kevin T. wiederum weise eine „erhebliche Entwicklungsverzögerung“ auf.

          Anstiftung zu Anschlag auf Ludwigshafener Weihnachtsmarkt

          Das Verfahren gegen die beiden jungen Leute aus Neuss zählt zu jenen Salafismus-Fällen, die den Sicherheitsbehörden zunehmend Sorgen bereiten. Schon seit einiger Zeit beobachten die Ermittler, dass salafistisch-dschihadistische Gefährder immer jünger werden und immer früher auch in der Lage sind, Sprengsätze herzustellen. Die beiden Salafisten, die im April 2016 einen Anschlag auf den Sikh-Tempel in Essen verübten, waren beispielsweise erst 16 Jahre alt.

          Und Lorenz K. soll Ende 2016 einen erst zwölf Jahre alten Deutschen per Internet-Chat angestiftet haben, in Ludwigshafen mit einer selbstgebastelten Nagelbombe einen Selbstmordanschlag auf den Weihnachtsmarkt zu verüben. Glücklicherweise zündete der Sprengsatz nicht.

          Kevin T., der in seinem Neusser Wohnviertel als merkwürdiger Außenseiter galt, soll der Österreicher Lorenz K. ebenfalls über einschlägige Chatforen kennengelernt haben. Die beiden beließen es nicht bei virtuellen Kontakten. Im November 2016 kam K. aus Wien angereist und wohnte bis Dezember bei T.

          Nach Erkenntnissen der Ermittler brachten die beiden jungen Männer in dieser Zeit auch einen Sprengsatz zu Testzwecken in einem Neusser Park zur Explosion. Wenig später informierte der Bundesnachrichtendienst die österreichischen Behörden über das Treiben der beiden jungen Männer. Im Januar 2017 wurden Kevin T. in Neuss und Lorenz K. in Wien festgenommen.

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