Corona-Debatte : „Endemie“ bedeutet erst einmal gar nichts

Das Coronavirus verliert seinen Schrecken, doch weil gleichzeitig die Grippe und andere Erreger die Runde machen, sind die Arztpraxen voll, die Krankenhäuser wegen Personalausfällen überlastet, Ärzte und Pfleger aufs Neue an ihre Grenzen gelangt. Der Virologe Christian Drosten hat derweil das Ende der Corona-Pandemie ausgerufen und dafür gute Gründe genannt.
Für Bundesjustizminister Marco Buschmann war das der passende Moment, um ein rasches Ende aller Einschränkungen zu fordern – die seien ja schließlich wegen der Pandemie eingeführt worden, argumentiert der Freie Demokrat. Und wenn die vorüber sei, Stichwort Endemie, müsse es auch mit den Maßnahmen vorüber sein.
Ganz so einfach ist es nicht. Die Unterscheidung zwischen Pandemie und Endemie gibt keinen Aufschluss darüber, wie gefährlich ein Erreger ist und was zum Schutz der Bevölkerung nötig sein kann. Das Ende der Pandemie als das Ende aller Probleme zu deuten, ist grober Unfug. Auch ein endemisches Virus kann Maßnahmen des Infektionsschutzes erforderlich machen.
Corona ist ein Virus unter vielen
Richtig ist, dass Ansteckungen mit Corona nicht mehr der Grund sind, weshalb Ärzte und Pfleger gerade Mühe haben, ihre Patienten zu versorgen. Corona ist ein Virus unter vielen, was die Länder dazu veranlasst hat, überflüssige Maßnahmen zu beenden. Die Regeln, für die der Bund zuständig ist, laufen planmäßig im Frühjahr aus. Derzeit spricht nichts dafür, dass sie verlängert werden müssen.
Passenderweise helfen jene Maßnahmen, die der Verbreitung des Coronavirus Einhalt gebieten sollen, auch gegen die Übertragung der Grippe. Auf dem vorläufigen Höhepunkt einer Infektionswelle für ein rasches Ende der wenigen verbliebenen Maßnahmen einzutreten, zeugt von einem bemerkenswert geringem Gespür für das, was gerade im Land vor sich geht. Es ist richtig, die Corona-Maßnahmen immer wieder zu überdenken. Doch es wäre schlecht, das absehbare Ende jetzt überstürzt vorwegzunehmen.
