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Omikron-Welle : Drosten: Irgendwann muss man das Virus „laufen lassen“

Der Direktor des Instituts für Immunologie der Charité in Berlin Christian Drosten warnte davor, auf eine Durchseuchung der Bevölkerung zu setzen. Drei Millionen der Menschen über 60 Jahren seien noch nicht geimpft, fast neun Millionen nicht geboostert und damit nicht vollständig gegen die Omikron-Virus-Variante geschützt. Irgendwann müsse man das Virus „laufen lassen“, weil man die Bevölkerung nicht immer wieder nachimpfen könne, doch sei es jetzt möglicherweise noch zu früh dazu. „Da sind wir ein bisschen im Blindflug“, sagte der Virologe. Aber gegen Omikron könnte eine veränderte Impfung mit einem angepassten Wirkstoff nötig werden. Drosten warnte davor, sich durch eine Omikron-Infektion gegen noch mögliche andere Variantentypen, die Delta ähnlich sind, gewappnet zu fühlen. Das sei nicht der Fall.

Die Bundesregierung hält nach Angaben einer Regierungssprecherin am Ziel fest, bis Ende Januar eine Quote an Erstimpfungen von 80 Prozent zu erreichen. Dies sei ein sehr ehrgeiziges Ziel, an dem man mit Hochdruck arbeite. Zuvor hatte der Gesundheitsminister Zweifel geäußert, ob das Ziel noch erreichbar sei. Am Donnerstag ließen sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 734.061 Menschen impfen. Darunter waren 50.604 Erstimpfungen. Insgesamt haben 74,9 Prozent mindestens eine Impfung erhalten. Fast zwei Drittel der neu aufgenommenen Corona-Patienten auf Intensivstationen sind Ungeimpfte. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Untersuchung des RKI und der Intensivmedizinervereinigung Divi. Zuletzt waren von 9000 Intensivpatienten 62 Prozent ungeimpft. Zehn Prozent hatten einen unvollständigen Immunschutz (genesen ohne Impfung beziehungsweise Teilimmunisierung), 28 Prozent hatten eine vollständige Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung. Die Erhebung umfasst den Zeitraum vom 14. Dezember letzten Jahres bis 12. Januar.

Endemischer Zustand bis Ende des Jahres?

Drosten warnte davor, die „schwierigen Doppelbotschaften“ der Omikron-Welle misszuverstehen. Zwar verlaufe eine Infektion mit der Escape-Variante in der Regel milder, doch dieser Vorteil werde von der enormen Anzahl an Infektionen aufgewogen. Er verwies auch darauf, dass ein erheblicher Unterschied darin liege, ob man sich mit oder ohne Maske infiziere. Von der jeweiligen Viruslast hänge die Schwere der Erkrankung ab.

Auch wenn wärmeres Wetter um Ostern herum und die Boosterkampagne dazu beitragen könnten, dass die Verbreitung geringer werde, gelte es den Herbst vorzubereiten. Den endemischen Zustand wird Deutschland nach Einschätzung Drostens Ende des Jahres entweder erreicht haben „oder wir sind praktisch da“. Impfungen verhinderten nicht unbedingt eine Ansteckung, das sei wahr, aber sie verhinderten einen schweren oder gar tödlichen Verlauf, deshalb gelte es unbedingt die große Impflücke bei den über 60 Jahre alten Menschen zu schließen.

„Wir tun sehr viel für die Ungeimpften und wir könnten im Gegenzug auch eine nahezu nebenwirkungsfreie Impfung verlangen“, sagte Lauterbach, der aber bei seiner Linie bleibt, keinen eigenen Vorschlag für eine generelle Impfpflicht ab 18 Jahren vorzulegen, sondern die Rolle des Gesundheitsministeriums als Zulieferer für künftige Anträge von Bundestagsabgeordneten bekräftigte.

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