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Droht uns ein Terroranschlag? : Zwei Szenarien und ein fehlender Faden

Die Bundesregierung hat den deutschen Botschafter in Washington, den Sonderbeauftragten für Afghanistan, Michael Steiner, und mehrere Ministerien eingeschaltet, um Zugang zu dem deutschen Staatsbürger zu bekommen. Am vorigen Sonntag konnte endlich eine vierköpfige Delegation – zwei Männer vom Bundesnachrichtendienst und zwei Verfassungsschützer – mit der Befragung beginnen. Sidiqi ist auskunftsfreudig. Er soll Wertvolles aus seinen Hamburger Zeiten und seinen Verbindungen in der deutsche Islamisten-Szene berichten. Er hat dafür auch ein Motiv: Seine Frau sitzt schwanger in Kabul, er will, dass sie zur Familie nach Hamburg reisen kann. Wo, wann und durch wen Anschläge in Deutschland ausgeführt werden sollen, dazu sagt Sidiqi aber nichts.

Die Aufregung, die die Meldungen über die Anschläge auslösten, wurde am Donnerstag noch durch Berichte über einen Drohnenangriff in Wasiristan verstärkt. Zwei Raketen eines solchen unbemannten Flugzeuges sollen ein Gehöft in der Nähe von Mir Ali zerstört haben, einem Ort, der als eine Art Hauptquartier der Terrorgruppen in der Gegend gilt. Dabei sollen acht oder auch zehn Männer, unter ihnen mehrere Deutsche, angeblich zum Teil türkischer Abstammung, getötet worden sein. Ob das zutrifft, ist unklar. Eine Überprüfung ist schwierig, denn das Gebiet um Mir Ali ist schwer zugänglich. Zudem, so heißt es, sollen die Leichen nach Landessitte umgehend begraben worden sein. Die Amerikaner, die ihre Drohnenangriffe in den vergangenen Monaten in dem Gebiet erheblich ausgeweitet haben, sagen über diese Aktionen prinzipiell nichts.

Nicht alle sind Terrorjünger

Trotz aller Vagheit der Informationen nehmen die Chefs der deutschen Sicherheitsbehörden die Warnungen ernst. Allein im Bundeskriminalamt und im Bundesamt für Verfassungsschutz sind mehr als zweihundert Leute dafür freigestellt, den beiden Szenarien nachzugehen. Sie überprüfen, wo die als gefährlich eingestuften Gefährder sich aufhalten, wer mit wem Kontakt hat. Mindestens einmal in der Woche stimmt man sich mit den amerikanischen Sicherheitsdiensten ab. Innenminister de Maizière hat am Montag das Gemeinsame Terrorabwehrzentrum von Polizei und Nachrichtendiensten in Berlin-Treptow besucht, um den Fall zu besprechen. Eine öffentliche Anti-Terror-Präsenz mit Polizisten, die mit Schnellfeuergewehren auf Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen patrouillieren, lehnt er aber als wenig hilfreich ab.

Wie groß die Gefahr eines Anschlags ist, weiß letztlich niemand zu sagen. Etwa 220 radikale Islamisten aus Deutschland sind schon in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gereist oder haben es versucht, etwa die Hälfte ist nach Deutschland zurückgekehrt, manche sitzen jetzt in Haft. Ein paar Dutzend der Terrorreisenden sollen Kampfausbildungen in den Lagern in Wasiristan absolviert haben, und mehrere Dutzend befinden sich immer noch bei diversen Terrorgruppen. Im Durchschnitt reisen fünf Personen aus Deutschland im Monat dorthin, auch wenn die Behörden mittlerweile versuchen, solche Ausreisen zu verhindern. Nicht alle in den internationalen Brigaden des Dschihad sind knallharte Terrorjünger. Vielmehr, so meinen Verfassungsschützer, ist die Zahl der Dilettanten groß. Für den großen Plot, den perfekt vorbereiteten Anschlag, fehle ihnen die Professionalität, heißt es. Doch vielleicht braucht es die nicht, um wild herumzuschießen und ein Blutbad anzurichten. Man nehme gerade diese Dilettanten sehr ernst, sagt ein hoher Sicherheitsbeamter.

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