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Drohnen-Affäre : Noch’n Minister

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) Bild: dpa

Thomas de Maizière fühlte sich zu durchaus Höherem berufen. Doch nun ist deutlich geworden, dass er nicht kann, was ein Verteidigungsminister können muss. Arme Kanzlerin, woher Minister nehmen? Sie hat ja nun bald alle durch.

          Bei manchen politischen Todesfällen in ihrer näheren Umgebung hat Angela Merkel nachgeholfen, aber inzwischen muss man sagen: Deutschland ist in ein neues Zeitalter eingetreten. Nun bringen sich die Unionspolitiker selber um. Koch und von Beust mögen ihr noch ankreiden, sie nicht ins Kabinett geholt zu haben - die Fehler in ihren Bundesländern haben sie allerdings selbst gemacht.

          Köhlers Rücktritt wieder hatte mit der Kanzlerin nichts zu tun. Mappus hat sich selbst gerichtet und Guttenberg natürlich auch. Desgleichen Wulff. Und natürlich auch Röttgen; den harschen Abschied durch die Kanzlerin hat er sich zuzuschreiben.

          Nicht um jeden mag es Angela Merkel leid getan haben; aber bei Schavan war das bestimmt anders. Und bei de Maizière wohl auch. Lange war der Mann die graue Maus im Kabinett, sein Charisma war eins der kühlen Kompetenz - das Gegenbild zu Guttenberg.

          In den letzten Monaten hat de Maizière dann erkennen lassen, dass er sich zu durchaus Höherem berufen fühlt. Doch in noch kürzerer Zeit ist nun deutlich geworden, dass er nicht kann, was ein Verteidigungsminister können muss.

          Das Ministerium ist kopflos, der Minister ist es auch. Die Selbstkorrekturen erfolgten zuletzt beinah im Stundentakt. Sie können nicht mehr verbergen, dass das Prinzip Verantwortung im Verteidigungsministerium außer Kraft gesetzt ist.

          Sei es, wie es sei: Ob nun Minister de Maizière über bedeutsame Rüstungsvorhaben gar nicht erst informiert wurde und nachgeordnete Beamte in ungetrübter Machtvollkommenheit millionenschwere politische Entscheidungen getroffen haben, oder ob die Einlassungen, aus denen sich dieses Bild ergibt, nur Blendwerk sind - unhaltbar ist eins wie das andere. Und ein Drittes gibt es nicht. Arme Kanzlerin, woher Minister nehmen? Sie hat ja nun bald alle durch.

          Volker Zastrow

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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