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Drogenpolitik : High sein ohne Nebenwirkungen

Reiner Stoff? Ob dem Kokain andere Substanzen beigemischt wurden, kann eine chemische Analyse zutage fördern Bild: dpa

Soll der Staat es tolerieren, dass Rauschgift in Laboren kontrolliert wird, damit Konsumenten nicht durch Beimischungen zu Schaden kommen? Selbst die Union scheint sich auf diese Haltung zuzubewegen – auch andere Parteien stimmen zu.

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          In der Drogenpolitik waren die politischen Fronten in den vergangenen Jahren recht klar. Die Grünen warben an vorderster Front nicht nur für eine Legalisierung von Cannabis, sie setzten sich auch prominent dafür ein, dass Süchtige ihre Tabletten von Fachleuten auf ihre chemische Zusammensetzung hin untersuchen lassen können. Gerade bei Partydrogen wie Ecstasy kommt es gelegentlich zu Verunreinigungen, die bei den Konsumenten zum Tod führen können. Und bei psychoaktiven Substanzen, sogenannten Badesalzen, ist oft nicht einmal klar, was in den Tabletten überhaupt enthalten ist. Auf der anderen Seite standen die Unionsparteien CDU und CSU, die sich in beiden Fragen ablehnend positionierten. Weder wollten sie eine Freigabe von Cannabis unterstützen noch Laboruntersuchungen von Partydrogen, das „drug checking“, tolerieren.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Doch in der Union mehren sich die Stimmen, die für ein Ende der konservativen Haltung werben. Im Spätsommer machte die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), auf sich aufmerksam, als sie im Zusammenhang mit Cannabis sagte, man komme mit „ideologisch aufgeladenen Schwarz-oder-weiß-Debatten“ nicht weiter. Nun hat sie auch den bisherigen Kurs beim „drug checking“ in Frage stellt. Im Gespräch mit der Zeitung „Rheinische Post“ kündigte Ludwig an, sich im Laufe des Jahres in dieser Sache mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu beraten. „Wir sind uns einig, mit Experten darüber zu sprechen, ob es ein Modell gibt, das in Deutschland funktionieren könnte“, sagte Ludwig. „Derzeit gibt es so etwas hierzulande noch nicht.“

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