https://www.faz.net/-gpf-82b2g

Drogen in der Schwangerschaft : Ungeborene sollen besser geschützt werden

  • Aktualisiert am

Besonders schutzbedürftig: das ungeborene Kind Bild: dpa

Jedes Jahr kommen etwa zehntausend Kinder mit Behinderungen zur Welt, weil ihre Mütter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. Angeblich weiß die Hälfte der Bevölkerung nichts von den bleibenden Schäden.

          1 Min.

          Politiker der Koalitionsparteien fordern mehr Aufklärung über die Folgen des Gebrauchs von Rauschgift und Alkohol in der Schwangerschaft. Der CDU-Abgeordnete Hubert Hüppe spricht sich dafür aus, dass auf Flaschen mit alkoholischen Getränken „ein gesetzlich vorgeschriebener deutlicher Warnhinweis“ angebracht wird. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Hilde Mattheis, ist der Ansicht, die verschiedenen Akteure wie Hebammen, Ärzte, Jugendämter sollten besser zusammenarbeiten.

          Viele Frauen sind schlecht über die Gefahren von Drogen für das ungeborene Leben aufgeklärt. Nach Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung wissen mehr als fünfzig Prozent der Bevölkerung nicht, dass Alkoholkonsum zu bleibenden Schäden für das Kind führen kann. Zwar nehmen 99 Prozent der Schwangeren die frauenärztliche Vorsorge in Anspruch, doch die Ärzte sprechen das Thema längst nicht immer an, wie diese Zeitung erfuhr. Im Praxisalltag sei oft keine Zeit, das Thema zu vertiefen. Außerdem sei die Bezahlung durch die Krankenkassen so schlecht, dass ein Arzt nur eine geringe Anzahl „schwieriger Schwangerschaften“ betreuen könne.

          Jede fünfte Schwangere trinkt Alkohol

          Jedes Jahr kommen rund zehntausend Kinder mit geistigen und körperlichen Schädigungen zur Welt, weil ihre Mütter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. Mehr als 2000 Neugeborene pro Jahr leiden an dem Fetalen Alkoholsyndrom, einer besonders schwerwiegenden und lebenslangen Schädigung. Untersuchungen zufolge trinkt fast jede fünfte Frau in der Schwangerschaft Alkohol, zwölf Prozent der Schwangeren rauchen.

          Der Kinderschutzbund bezeichnet diese Situation als „dramatisch“. Die Aufklärung müsse „auf allen Kanälen“ verbessert werden, sagte Geschäftsführerin Paula Honkanen-Schoberth dieser Zeitung.

          Das Bundesgesundheitsministerium hat ein Präventionsgesetz erarbeitet, um das Gesundheitsbewusstsein zu verbessern. Doch die Bundesärztekammer und der Berufsverband der Frauenärzte bemängeln, dass das Gesetz Alkoholprävention nicht ausdrücklich erwähnt und drohende Gesundheitsschäden in der Schwangerschaft nicht in den Blick nimmt. Strafrechtliche Konsequenzen für die Mütter fordert jedoch kaum jemand.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Marine Le Pen und Viktor Orbán in Budapest

          Le Pen in Ungarn : Bildtermin bei Orbán

          Europas Nationalisten reisen gerne nach Budapest, Marine Le Pen musste es sogar tun. Ob das die französischen Wähler beeindrucken wird?
          Der umstrittene Demokrat: Joseph Manchin im Oktober 2021 in Washington, DC.

          Senator Joseph Manchin : Der letzte Demokrat

          Ein korrupter Verräter? Joseph Manchin stößt auf viel Kritik innerhalb seiner eigenen Partei. Die Republikaner versuchen indes, den Politiker zu einem Seitenwechsel zu motivieren.
          Für manche der Hexer: Tesla-Chef Elon Musk

          Tesla-Aktie : Die Billionen-Dollar-Wette

          Tesla begeistert die Anleger. Eine Aktie kostet jetzt mehr als 1000 Dollar, das Unternehmen wird mit mehr als einer Billion Dollar bewertet. Kann Tesla halten, was es verspricht?
          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entlassungsurkunde am Dienstag im Schloss Bellevue

          Entlassungsurkunde für Merkel : Am Ende einer Kanzlerschaft

          Der Bundespräsident würdigt die Amtszeit von Angela Merkel als „beispielgebend“. So verabschiedet er die Kanzlerin – und bittet sie, noch ein bisschen weiterzumachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.