https://www.faz.net/-gpf-896kg

Dresden : Zehntausende für Pegida, Zehntausende dagegen

  • Aktualisiert am

Massives Polizeiaufgebot: In Dresden herrschte am Montagabend Ausnahmestimmung Bild: dpa

In Dresden stehen sich Tausende „Pegida“-Anhänger und fast ebenso viele Gegner der fremdenfeindlichen Bewegung gegenüber. Ein Pegida-Anhänger wird schwer verletzt, auch nach der Kundgebung kommt es zu Ausschreitungen. Die Situation ist angespannt.

          Zum ersten Jahrestag der Pegida-Bewegung haben sich am Montagabend in Dresden zehntausende Unterstützer und Gegner der fremdenfeindlichen Gruppe gegenübergestanden: Die Studenteninitiative Durchgezählt ermittelte bei der Pegida-Kundgebung 15.000 bis 20.000 Teilnehmer, bei den verschiedenen Gegenveranstaltungen unter dem Motto "Herz statt Hetze" 15.000 bis 19.000 Teilnehmer. Zwischen beiden Gruppen kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, ein Mensch wurde schwer verletzt.

          Auch nach der Kundgebung entspannte sich die Stimmung in der Stadt vorerst nicht. Die Lager der Pegida-Anhänger und der linken Gegner stünden sich an verschiedenen Punkten in der Stadt gegenüber, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montagabend. „Es ist viel Bewegung drin.“ Nach unbestätigten Berichten der „Sächsischen Zeitung“ kam es zu Ausschreitungen von Hooligans und Angriffen von Neonazis. Im Kurznachrichtendienst Twitter kursierten Videos, auf denen zu sehen ist, wie Böller gezündet werden. Wie der Sprecher bestätigte, waren zuvor Polizisten mehrfach gezielt angegriffen worden. Unter den Beamten habe es keine Verletzten gegeben. Reporter der dpa hatten beobachtet, wie Pegida-Anhänger Polizisten mit Böllern angriffen.

          Zahl der Pegida-Gegner über Erwartungen

          Besonders die Zahl der Pegida-Gegner am Montag hatte zuvor über den Erwartungen gelegen. In den vergangenen Wochen hatte das fremden- und islamfeindliche Pegida-Bündnis wieder deutlich gestiegene Unterstützerzahlen verzeichnen können, die Pegida-Gegner spielten dagegen kaum eine Rolle. An verschiedenen Demonstrationen gegen Pegida, zu denen ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Organisationen aufgerufen hatten, beteiligten sich laut Durchgezählt nun aber jeweils mehrere tausend Menschen.

          Bis zu 15.000 Menschen sind am Montagabend in Dresden auf die Straße gegangen, um gegen den Aufmarsch der fremdenfeindlichen „Pegida“-Bewegung zu demonstrieren Bilderstrecke

          Auch die Verantwortlichen der Semperoper beteiligten sich an den Protesten. An dem historischen Opern-Gebäude, vor dem sich Pegida traf, veröffentlichten sie etwa den Spruch „Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass". Außerdem warb die Semperoper mit bunten Schildern für ein weltoffenes Dresden.

          de Maizière: Pegida-Organisatoren „harte Rechtsextremisten“

          Im Vorfeld des ersten Jahrestages des ersten sogenannten Abendspaziergangs von Pegida waren führende Bundespolitiker so massiv gegen die Gruppe an die Öffentlichkeit gegangen wie bisher nie. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte, „wer Galgen und Hitlerbärten hinterher läuft, für den gelten keine Ausreden mehr". Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die Pegida-Organisatoren als „harte Rechtsextremisten".

          Pegida-Gründer Lutz Bachmann kündigte in seiner Ansprache auf dem Dresdner Theaterplatz an, de Maizière wegen seiner Äußerungen wegen Volksverhetzung anzeigen zu wollen. Bachmann beschimpfte in seiner Rede außerdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als „Diktatorin" und nannte Dresden das „Zentrum des Widerstands". Bachmann hörten 15.000 bis 20.000 Menschen zu, wie Durchgezählt über eine Flächenschätzung ermittelte. Damit war dies auch wieder der stärkste Zulauf seit langer Zeit für die Bewegung.

          Die bisher höchste ermittelte Teilnehmerzahl bei Pegida-Aufmärschen war 25.000 am 12. Januar. Zum Teil endeten die Pegida-Gegner mit ihren Protesten in der Nähe der Kundgebung von Pegida auf dem Dresdner Theaterplatz. Die Polizei nannte die Stimmung „sehr emotionsgeladen" und rief über Twitter zur Besonnenheit auf.

          Topmeldungen

          „Mensch Merkel“ im ZDF : Die rätselhafte Kanzlerin

          Verzicht auf Antworten, wo man keine geben kann: Anlässlich ihres 65. Geburtstages zeigt das ZDF ein Porträt über Angela Merkel: „Mensch Merkel! – Widersprüche einer Kanzlerin“ fragt, ob jemand die Bundeskanzlerin wirklich kennt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.