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Dreikönigstreffen der FDP : Ein trauriges Tänzchen auf dem Trümmerfeld

Von Ämtern und Bürden niedergedrückt: Philipp Rösler Bild: dapd

Rainer Brüderle darf es nicht, Wolfgang Kubicki will es nicht, Patrick Döring kann es nicht und Philipp Rösler hat es verlernt: Bei ihrem Dreikönigstreffen in Stuttgart wird deutlich, dass die FDP nun auch noch das Reden verlernt hat.

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          Kurz nach zehn Uhr am Donnerstagabend kann man sagen: Die FDP ist eigentlich nicht mehr da. Auf der Tanzfläche der Alten Reithalle drehen sich noch einige Tanzpaare. Das Buffet ist abgeräumt, in der rauchigen Raucher-Bar gleich nebenan, wo sonst um diese Zeit die Hölle los ist, scharen sich siebzig Journalisten um zwei, drei Nachlassverwalter, darunter der nimmermüde Kämpfer Rainer Brüderle. Die Rest-FDP liegt im Bett, brütet über einer Rede oder ist erst gar nicht gekommen. Der traditionelle Dreikönigsball der baden-württembergischen FDP am Vorabend der „Kundgebung“ der Partei auf der Bühne des Stuttgarter Staatstheaters ist normalerweise ein Forum für Begegnungen zwischen festlich ausstaffierter Parteibasis, dem FDP-Führungspersonal und der Presse. Hier wurden Wahljahre eröffnet, Konkurrenzkämpfe ausgefochten, Strategien und Sticheleien ausgetauscht, Kritiker überzeugt, Gegner beschwichtigt, Freunde umgarnt.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Es hatte in der Bar Plauderrunden gegeben, in denen Guido Westerwelle aufgeräumt von seinen Begegnungen mit Haifischen erzählte, Brüderle von Florida schwärmte, Pinkwart und Solms ihre Steuermodelle bei jedwedem Promillepegel nüchtern erläutern konnten und Cornelia Pieper die Szenerie mit ihren grellen Abendkleidern färbte. Vorbei. Zuletzt hatte Westerwelle vor der Bar, umringt von an die hundert Journalisten vorletzte Versuche unternommen, sein Parteiamt zu retten. Die Feindseligkeit des Frage-Antwort-Duells war wechselseitig, drei Monate später war Westerwelle entmachtet und fliegt seither weithin unbemerkt um die Welt. Diesmal kam er gar nicht erst zum Dreikönigsball.

          Eine jämmerliche Figur

          Sein Nachfolger Philipp Rösler trat gegen halb zehn für eine halbe Stunde auf, im Smoking tadellos gekleidet, und erläuterte in einem hell erleuchteten Konferenzsaal das neue Prinzip Wachstum seiner Partei. Eben waren Meldungen eingetroffen, die FDP stehe nun bei seriösen Meinungsforschern bei zwei Prozent. Fragen nach den merkwürdig-freundschaftlichen Äußerungen seines designierten Generalsekretärs Döring („Rösler ist kein Kämpfer“) werden mit ironischen Bemerkungen beantwortet, die man aber nicht zitieren darf. Dann verschwand Rösler.

          Hätte gern gesprochen, durfte aber nicht: Rainer Brüderle
          Hätte gern gesprochen, durfte aber nicht: Rainer Brüderle : Bild: REUTERS

          Gar nicht erst gekommen waren, beispielsweise, die stellvertretenden Vorsitzenden Holger Zastrow und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, oder die Präsidiumsmitglieder Elke Hoff und Jörg-Uwe Hahn. Sie alle reisten erst am nächsten Tag an, um den Rednern Birgit Homburger, Dirk Niebel, Patrick Döring und Philipp Rösler auf der Bühne als blau-gelbe Kulisse zu dienen. Selbst dabei machten sie eine jämmerliche Figur, gelangweilt, mechanisch klatschend, einige unterm Tisch mit ihren Smartphones fummelnd. Wer unter solchen Umständen erwartete, die FDP werde das Jahr fröhlich-kämpferisch beginnen, der konnte nur auf Dirk Niebel gehofft haben. Brüderle wollte, durfte aber nicht sprechen. Der norddeutsche Wahlkämpfer Wolfgang Kubicki hätte gedurft, drückte sich aber, wie immer.

          Ausdruck der Verzweiflung

          Niebel trat als zweiter Redner auf, nachdem Frau Homburger mit einer Melange aus Familiengeschichten und Voltaire freundlichen Beifall gefunden hatte. Er riss die Zuhörer im Saal mit einer gut vorbereiteten Ansprache hin, der seine Erfahrungen als Generalsekretär und als Entwicklungshilfeminister zugute kamen. Man muss den etwas kasinomäßigen Humor des früheren Fallschirmjägers nicht lieben, aber die Partei scheint ihn gegenwärtig zu mögen. So wie sie jeden mag, der eine Aura von Lebensklugheit und humorvoller Gelassenheit um sich zu verbreiten vermag.

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