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Dreikönigstreffen der FDP : Büttenredner Brüderle

Rainer Brüderle (links) nimmt in Stuttgart die Ovationen der Partei und seines Bundesvorsitzenden Philipp Rösler entgegen Bild: dpa

Der Weinkönig aus Mainz war auf dem Dreikönigstreffen weder witziger noch kompetenter als der Wirtschaftsminister aus Niedersachsen. Doch er reißt mehr mit in einer Zeit, in der die FDP klare Ansagen erwartet.

          Das ist doch mal ein Erfolgsrezept: Mit „Stil, Inhalt und Personen“ will Rainer Brüderle die FDP auch nach der Bundestagswahl in der Regierung halten. Vor allem im Stil setzten die Freien Demokraten auf ihrem Dreikönigstreffen neue Maßstäbe - Entwicklungshilfeminister Niebel fordert eine neue Führung, der stark angeschossene Vorsitzende Rösler redet vom Liberalismus und nimmt zu den Dauerangriffen auf seine Person eigentlich gar nicht Stellung. Ist das der neue Stil - Ehrlichkeit geht vor Geschlossenheit? Aber vor allem Letzteres war noch nie eine Stärke der FDP, diesem „sympathischen Haufen von Freidenkern“ (Brüderle).

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Dass dieser Haufen unter guter Führung immer noch eine wichtige politische Kraft sein kann, das hat vor allem Christian Lindner in Nordrhein-Westfalen gezeigt. Er führte die Partei aus scheinbar aussichtsloser Umfragelage in kurzer Zeit auf einen guten Platz. Er ist ein Mann der Zukunft auch im Bund - aber wohl nicht der ganz nahen, denn das würde zu neuen Friktionen führen. Bleibt also, falls die Freien Demokraten unter weitgehend unbekannter Führung in Niedersachsen nicht an der Regierung bleiben oder sonst ein Traumergebnis einfahren, der Büttenredner Brüderle. Inhaltlich war seine Rede keineswegs gehaltvoller als die Röslers, auch ist der Wirtschaftsminister aus Niedersachsen nicht weniger witzig oder gar fachkompetent als der Weinkönig aus Mainz. Er reißt nur nicht so mit in einer Zeit, in der die FDP klare Ansagen erwartet. Auch die ach so freien Geister betteln um Führung. Und wer keine Fortune hat, ist auf Dauer unhaltbar - übrigens nicht nur im politischen Betrieb.

          Der FDP jedenfalls hilft es nichts, wenn sie die Union besser gemacht haben sollte, wie die Liberalen meinen. Ihr Erfolg in Nordrhein-Westfalen wiederum ging zu Lasten der Union. Eine natürliche Existenzberechtigung hat keine Partei und auch kein politisches Bündnis. Wohl aber scheint es immer noch genug Bürger zu geben, die sich - Parteienfrust hin, Rückzug ins Private her - möglichst wenig gängeln lassen wollen. Sie wollen sich keine Vorschriften über ihre private Lebensführung machen lassen und von ihrer Arbeit anständig leben können. Das mag nur so ein Gefühl sein, in der Großstadt wie auf dem Lande. Es lohnt sich aber für alle, diese Freunde der Freiheit zu mobilisieren.

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