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Digitalisierung : Dorothee Bär will den Schulranzen abschaffen

  • Aktualisiert am

Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung Bild: dpa

Die Staatsministerin für Digitales will Schüler von schweren Ranzen befreien: Tablet, Schulbrot und Sportsachen seien ausreichend. Faust könne man auch digital lesen.

          Viel mehr Schüler sollen nach dem Willen der neuen Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, ein Tablet im Unterricht benutzen. „Die Kinder tragen viel zu schwere Schulranzen mit zum Teil veralteten Schulbüchern. Schüler brauchen heute vor allem drei Dinge: ein Tablet, ihre Sportsachen und das Schulbrot“, sagte die CSU-Politikerin der „Bild am Sonntag“.

          Via Tablet seien auch die aktuellsten Informationen abrufbar, sagte Bär. Sie verwies auf ihren schweren Diercke-Weltatlas aus den 80er Jahren, den sie noch bis Ende der 90er Jahre benutzt habe: mit zwei Deutschlands, einem Jugoslawien und einer Sowjetunion. „Besser die Schüler lesen Goethes Faust auf dem Tablet als irgendeinen Schund auf Papier“, sagte sie.

          Auch Kleinkinder könnten Tablet-Computer ohne Bedenken nutzen, meint die Staatsministerin. „Es gibt für Kinder tolle Lern-Apps mit schönen Illustrationen oder Tierstimmen. Wenn ein zweijähriges Kind sich so etwas für 5 Minuten anschaut, ist das kein Problem.“

          Bär räumt Defizite bei der Digitalisierung ein. „Wir waren nicht ehrgeizig genug. Aber das ändert sich jetzt. Ab 2018 gilt: Digitalisierung zuerst. In allen Bereichen.“ Deutschland sei Fußball-Weltmeister und Logistik-Weltmeister. „Wir wollen auch Digital-Weltmeister werden! Da werden jetzt wieder viele spotten, aber ich habe das Bedenkenträgertum satt. Wenn ich nicht das Ziel habe, Erster zu werden, brauche ich gar nicht anzutreten.“

          Kritik an Facebook

          Nach dem Skandal um mangelnden Datenschutz bei Facebook fordert die neue Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, dass der Konzern das Geschäftsmodell seines Netzwerks reformiert. „Wir werden uns nicht mit schönen Worten und einer Entschuldigung abspeisen lassen“, sagte die CSU-Politikerin der „Bild am Sonntag“. „Facebook muss an dieser Stelle sein Geschäftsmodell verändern und transparent zeigen, wer Zugriff auf die Daten der Nutzer hat.“

          Vor knapp zwei Wochen war bekanntgeworden, dass sich die dubiose Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica unerlaubt Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft hatte. Bis zu 50 Millionen Nutzer sollen betroffen gewesen sein. Der Konzern war im Zuge des Skandals ins Schlingern geraten. Mehrere Unternehmen verließen das Netzwerk oder stellten wie der Firefox-Entwickler Mozilla und der Lautsprecher-Anbieter Sonos die Werbung bei Facebook ein.

          Bär setzt in diesem Zusammenhang auch auf die neue EU-Datenschutzgrundverordnung. „Danach muss jeder Nutzer ausdrücklich zustimmen, dass seine Daten gespeichert werden, unabhängig davon, ob er einen Vertrag abschließt. Ein Häkchen bei den AGB reicht nicht mehr aus. Einem Unternehmen, das dagegen verstößt, drohen Millionenstrafen.“ Die Firmen müssten künftig sehr viel klarer dokumentieren, was sie mit den Daten ihrer Kunden machen.

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