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Doris Schröder-Köpf : Nicht auf der Agenda

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Doris Schröder-Köpf distanziert sich von der Agenda 2010 Bild: dpa

Doris Schröder-Köpf will in den niedersächsischen Landtag. In zwei von fünf Vorstellungsrunden aber gewann die Landtagsabgeordnete Leuschner. Die Altkanzlergattin hat nun nur noch theoretische Chancen.

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          Die Bewerbung der Frau des ehemaligen Bundeskanzlers um ein Mandat im niedersächsischen Landtag hat einen weiteren Rückschlag erhalten. Doris Schröder-Köpf hat nur noch eine theoretische Chance, bei der Wahlkreiskonferenz am 21. März nominiert zu werden: falls Delegierte bei der geheimen Abstimmung die Vorgabe ihrer Ortsvereine ignorieren. In zwei von fünf Vorstellungsrunden gewann die bisherige Landtagsabgeordnete Sigrid Leuschner knapp, in einem gab es ein Patt. In der nächsten Runde am Mittwoch hat die frühere Journalistin Schröder-Köpf zwar gute Chancen - 21 der 40 Delegierten sind durch Vorwahlen aber schon auf ihre Mitbewerberin festgelegt.

          Schröder-Köpf ist neben Michelle Müntefering, der Frau des früheren Parteivorsitzenden, die zweite Frau eines bekannten Politikers, die sich nach dem Rückzug ihres Mannes aus der Tagespolitik um ein politisches Mandat bemüht.

          Bisher geht es nur um Vorstellungen in Ortsvereinen, am Montagabend etwa in Südstadt-Bult. Den Parteimitgliedern geht es bei denSchröder-Köpf Abstimmungen aber um mehr als um die Bewerber für ein Mandat im Wahlkreis 24 - es geht um Stallgeruch und Generationen, um Loyalität und Prominentenbonus, und um die Ausrichtung der SPD. Dabei dürfte der Name ihres Mannes Frau Schröder-Köpf nicht nur helfen. Die einen sprechen von der Hoffnung, mit der medialen Aufmerksamkeit des „Hillary-Effekts“ (benannt nach der amerikanischen Außenministerin) Unentschlossene zur SPD zu ziehen, und um eine Verjüngung.

          Leuschner hat die Unterstützung der Jusos

          Dabei ist die Frau des Altkanzlers nur zwölf Jahre jünger als Sigrid Leuschner, die dank der Kampfabstimmung bekannter wurde als je zuvor. Auch wenn sie bisher in ihrer Landtagsarbeit wenig auffiel - sie hat den Stallgeruch der Partei, den manche bei der kecken Schröder-Köpf, wiewohl sie seit 1997 der SPD angehört, zu vermissen glauben.

          Die Unterstützung der Jungen, der Jusos, und der Gewerkschafter kann Sigrid Leuschner auf sich ziehen. Nicht weil sie sich Jugendthemen zuwandte oder gar radikal auftritt - inhaltlich unterscheiden sich die beiden wenig -, sondern weil Gerhard Schröder bei vielen in der Parteijugend unangenehme Erinnerungen weckt. Seine Agenda 2010 wird zwar in Nachbarländern wie Frankreich als weitsichtiges Vorbild gerühmt und als Grund, warum es Deutschland wirtschaftlich besser gehe als anderen.

          Daheim aber ist das Reformpaket für viele noch immer ein Reizthema, unter dem die Altkanzlergattin nun auch leiden muss. So fühlte sich Doris Schröder-Köpf, die sich gegen Gerüchte um ihre Ehe wehren musste, bemüßigt, sich inhaltlich von der Agenda 2010 zu distanzieren - deren Folgen, sagt sie, seien bis heute zu spüren. Sie spüre sie auch.

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