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Dorfsterben in Deutschland : Warum schrumpft Lauterbach?

Blick vom Aussichtspavillon auf Lauterbach. Bild: Marina Pepaj

Ein Dorf im Schwarzwald hat in den vergangenen fünfzig Jahren ein Viertel seiner Einwohner verloren. Doch einige haben noch Hoffnung und setzen auf die Digitalisierung.

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          Das Schild hängt noch, doch Schuhe kauft hier, mitten im Ortskern von Lauterbach, schon lange niemand mehr. Schuhmachermeister Edgar Buchholz ist heute 85 Jahre alt. Einen Nachfolger hat er für sein Geschäft nicht gefunden. „Es hätte auch keine Zukunft“, sagt der gebürtige Lauterbacher, der davon schwärmt, wie er früher in den umliegenden Dörfern Leder gekauft und die Schuhe von Hand genäht hat.

          „Wir haben keine Industrie“, bringt Buchholz auf den Punkt, woran es in „seinem Dorf“ krankt. Die Jungen zögen weg, ihre Eltern blieben. Die Zahlen dokumentieren, wie Lauterbach einen dramatischen Einwohnerverlust erlitt. Im Jahr 1970 zählte der Luftkurort am östlichen Ende des Mittleren Schwarzwaldes rund 4000 Einwohner. Ende 2018 nur noch deren 2918. Das Dorf hat in knapp 50 Jahren rund ein Viertel seiner Bevölkerung verloren. „Lauterbach ist eine typische Schwarzwaldgemeinde“, sagt Mara Mantinger, Referentin des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg. Die Bevölkerung sei sehr alt. „Mehr Personen sterben, als dass geboren werden.“ Die Statistik sagt auch, dass vier Einwohner im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren für drei Mitbürger aufkommen müssen, die jünger oder älter sind. Auch das ist im Landesvergleich außerordentlich hoch – aber zu erklären, wenn junge Menschen für das Studium wegziehen und sehr selten wieder zurückkehren.

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