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Donald Trump : Der Obama der AfD

Matroschka mit Bild des gewählten Präsidenten: Auf ihn kann man sich nicht verlassen. Bild: dpa

Der AfD wird im Bundestagswahlkampf nichts Besseres passieren können, wenn sie es weiterhin mit lauter guten deutschen Clintons zu tun hat. Die kennen die Sehnsüchte der Protestwähler nicht mehr. Ein Kommentar.

          Es ist in Europa und in Deutschland sehr schnell eingetreten, was zu befürchten war: Trump polarisierte schon im Wahlkampf, und nun tut er das erst recht als Wahlsieger. Das liegt zum einen daran, dass Politiker wie der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán in ihm schlechthin den Siegertyp einer „wahren Demokratie“ sehen, also einer „illiberalen Demokratie“, die das Autoritäre in sich trägt. Es liegt aber auch daran, dass sich Hillary Clintons Anhänger auch hierzulande nur schwer mit dem Gedanken anfreunden können, dass Trump-Wähler auf diese oder jene Weise die Nase voll haben von der politischen Kultur, die sie repräsentieren. Kann sein, was nicht sein darf? Kaum jemand aus dieser Kultur hielt deshalb Trumps Sieg für möglich und kann sich das anders als mit Dummheit erklären. Obama ist deshalb einst zum Heiligen erklärt worden, Trump jetzt zum Teufel. Beides ist falsch.

          Gerade in Deutschland sollte man sich aber mal nicht so haben. Was will Trump? Ablehnung des Freihandels? Von TTIP? Der Nato? Freundschaft mit Russland? Arbeitsbeschaffung? Da wird es Linkspartei, SPD und Grünen noch schwerfallen zu erklären, warum das so entsetzlich sein soll. Nicht das ist es doch, was „ganz Berlin“, wie von dort mit stockender Stimme berichtet wird, in „Schock“ versetzte, als gehe es um einen politischen Terroranschlag und nicht um das Ergebnis einer demokratischen Wahl in einem - ja, das bleibt Amerika - demokratischen Land. Es ist vielmehr die brüske Ablehnung der Herzensanliegen „linksliberaler“ Politik, an erster Stelle der dogmatischen Migrations-, Klima- und Genderpolitik, die dazu führt, dass selbst die Kanzlerin sich dazu verleiten lässt, „Bedingungen“ für eine Zusammenarbeit mit Trump zu stellen, die sie gelegentlich auch einmal Wladimir Putin stellen sollte (der wiederum keine Schwierigkeiten hatte, Kontakt zu Trump herzustellen).

          Es ist dennoch richtig, wie Schäuble vor Trump und dessen rüpelhaftem Wahlkampfstil zu warnen. Es war Pöbelei am Rande der Gewaltbereitschaft. Sollte das Phänomen Trump aber zum Gegenstand des Bundestagswahlkampfs werden, wird der AfD nichts Besseres passieren können, wenn sie es weiterhin mit lauter guten deutschen Clintons zu tun hat. Die verstehen noch immer nicht, warum ihnen selbst treue Anhänger davonlaufen - weil die Clintons dieser Welt deren Alltag und deren Sehnsüchte nicht mehr kennen. So wenig, dass ein Trump zum Obama dieser Leute werden konnte.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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