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Dokumentationszentrum : Ächtung jedweder Vertreibung

Die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ hat ein Konzept für eine geplante Dauerausstellung in Berlin veröffentlicht. Es soll an die etwa 14 Millionen deutschen Flüchtlinge und Vertriebene aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern.

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          Vier Jahre nach dem Gründungsbeschluss der Bundesregierung hat die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ ein Konzept und Leitlinien für das geplante Dokumentationszentrum in Berlin beschlossen und veröffentlicht. Das von den Gremien - Stiftungsrat und Wissenschaftlichter Beraterkreis - einvernehmlich verabschiedete Dokument erläutert das Vorhaben, an das Schicksal von etwa 14 Millionen deutschen Flüchtlingen und Heimatvertriebenen aus der Zeit vor und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu erinnern. Wegen unterschiedlicher politischer und geschichtspolitischer Auffassungen war das Projekt in den vergangenen Jahren mehrfach Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzungen, die sich auch am Engagement der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach (CDU), entzündet hatten. Mehrere ausländische Wissenschaftler hatten zwischenzeitlich ihre Mitarbeit in den Gremien beendet. Der Zentralrat der Juden ließ seine Mitarbeit in der Stiftung seit dem Jahr 2010 ruhen.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Frau Steinbach hatte die Idee eines Erinnerungs- und Dokumentationsortes jahrelang befördert, unter anderem mit dem „Zentrum gegen Vertreibungen“. Mit dem Konzept sei nun, so erklärte Staatsminister für Kultur Bernd Neumann (CDU) am Mittwoch nach Agenturangaben, „die notwendige gesellschaftliche Akzeptanz auf breiter Grundlage gegeben“. Die Arbeit der Stiftung soll nach dem Konzept an das Schicksal der Vertriebenen erinnern, „im Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik“. Die Deutschen seien sich, heißt es weiter, der Verantwortung für die NS-Verbrechen bewusst. Deshalb soll sich ein Teil der geplanten Ausstellung auch mit dem „Besatzungsterror“ und dem Völkermord des NS-Regimes befassen. Sie soll aber auch dazu beitragen, „dass Vertreibungen als gewalttätiges politisches Instrument zu jeder Zeit an jedem Ort geächtet werden“.

          Die Dauerausstellung, die im Berliner „Deutschlandhaus“ am Anhalter Bahnhof eingerichtet wird, soll im Jahr 2016 eröffnet werden. Das Konzept wurde, nach seiner Verabschiedung im Juni zunächst ins Englische, Französische, Polnische und Tschechische übersetzt. Nach Erläuterung durch den CDU-Vertriebenenpolitiker Klaus Brähmig, geschah dies, um zu verhindern, „dass fehlerhafte Übersetzungen zu der falschen Interpretation führen, hier werde Geschichte umgeschrieben oder der Zweite Weltkrieg neu ausgelegt“.

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