https://www.faz.net/-gpf-909rf

Deutschlands marode Schulen : Zu kleine Räume für zu viele Schüler

Wie viele Schüler passen in ein Klassenzimmer? Bild: dpa

Marode Gebäude, viel zu wenig Platz – und jetzt auch noch unqualifizierte Quereinsteiger als Lehrer: Der neue Präsident des Deutschen Lehrerverbandes schlägt Alarm, appelliert bei einem Thema aber auch an das Bewusstsein der Schüler.

          4 Min.

          In Zeiten des Lehrermangels tendieren Länder dazu, jeden Quereinsteiger zu beschäftigen. Denn vor nichts graut Kultusministern mehr als vor rebellierenden Eltern, die fortgesetzten Unterrichtsausfall beklagen. Der neue Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), der bayerische Gymnasialschulleiter Heinz-Peter Meidinger, hält das für genau den falschen Weg. Er hat die Länder im Gespräch mit der F.A.Z. aufgefordert, auch in Zeiten des Lehrermangels nicht jeden Bewerber zu nehmen, sondern allenfalls befristet anzustellen. „Es ist nicht vertretbar, in Mangelzeiten auch unzureichend qualifizierte Bewerber auf Dauer einzustellen“, sagt Meidinger. Er befürchtet, dass besseren Bewerbern zu späterer Zeit durch solche Praktiken der Weg ins Lehramt versperrt wird.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          In Zeiten mit wenigen Einstellungen sollten die Länder über den Bedarf einstellen. Das geschehe jedoch in den seltensten Fällen, da die verantwortlichen Politiker Angst davor hätten, dass sich die Schulen an eine Überversorgung gewöhnten, sagte Meidinger. Ostdeutsche Länder wie Sachsen, wo demnächst die Schule wieder beginnt, können ihre Unterrichtsversorgung nur durch geliehene Lehrer etwa aus Bayern aufrechterhalten. So haben bayerische Lehrer sich aufgrund einer Rückkehrvereinbarung in den Süden darauf eingelassen, in Sachsen auszuhelfen. In die Randregionen allerdings lassen auch sie sich nicht gerne versetzen. Wegen des Geburteneinbruchs nach der Wende haben ostdeutsche Länder ihre Lehrerstellen erheblich abgebaut. Unmittelbar nach der Wende lag das Durchschnittsalter der Lehrer im Osten bei 41 Jahren, im Westen bei über 50 Jahren. Auch durch den Zuzug vieler Flüchtlingskinder sind die Schülerzahlen jetzt wieder schneller gestiegen. Jetzt würden die damals entlassenen Lehrer dringend gebraucht. Und zwar vor allem an den Grundschulen.

          Ab und an ein Quereinsteiger ist okay

          Entsetzt äußerte sich der Präsident des DL, der bis Dezember auch noch an der Spitze des Deutschen Philologenverbandes steht, darüber, dass in Berlin schon die Hälfte der Mint-Fächer unterrichtenden Lehrer ohne Lehramtsstudium vor der Klasse stehen. Er habe nichts dagegen, wenn es ab und an einen Quereinsteiger an einer Schule gebe. Aber bei einer Vielzahl von Quereinsteigern sei die Qualität gefährdet. „Dabei weiß man doch spätestens seit den Pisa-Studien, dass die Ergebnisse um so schlechter ausfallen, je höher der Anteil von Nicht-Fachlehrern liegt“, sagt Meidinger.

          Außerdem will er die Qualitätsfrage der Abschlüsse auf die Mittlere Reife erweitern. Dazu will er den Realschullehrerverband und den Berufsschullehrerverband stärker einbeziehen. Überhaupt sollen die Mitgliedsverbände des DL nach Meidingers Vorstellungen stärker in Erscheinung treten. So könnten die Präsidenten der jeweiligen Mitgliedsverbände zu Vizepräsidenten des DL werden. Ob sie dann die Politik des DL betreiben oder nur den Versuch unternehmen, ihre jeweilige Verbandspolitik auf der Plattform des DL zu betreiben, muss sich zeigen.

          Weitere Themen

          Nato-Einsatz in Afghanistan könnte im September enden Video-Seite öffnen

          Truppenabzug : Nato-Einsatz in Afghanistan könnte im September enden

          Nach der Festlegung Nordamerikas für den Truppenabzug aus Afghanistan rechnet Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) damit, dass nun auch die Nato sehr schnell einen entsprechenden Beschluss fassen wird. Damit könnte auch der Bundeswehr-Einsatz am Hindukusch bis zum 11. September enden.

          Topmeldungen

          Steil nach oben: Der Coinbase-Börsengang ist ein Meilenstein für Digitalwährungen.

          Kryptoboom : Coinbase ist bald wertvoller als die New Yorker Börse

          Die Handelsplattform Coinbase soll an diesem Mittwoch an die Börse gehen, das Unternehmen könnte 170 Milliarden Dollar wert sein. Was das für Bitcoin und Co. heißt und warum Anleger aufhorchen sollten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.