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Dissertationsaffäre des SPD-Politikers : Doktorvater: Ich fühle mich von Eumann getäuscht

  • -Aktualisiert am

Nach Angaben von Staatssekretär Eumann lag der Technischen Universität Dortmund im Promotionszulassungsantrag sein Magisterzeugnis mit dem vollständigen Titel der Magisterarbeit vor. War Ihnen das nicht bekannt?

Mir hat sein Magisterzeugnis nicht vorgelegen. Ich habe es im Promotionsverfahren nicht gesehen. Laut Promotionsordnung haben Betreuer keine Urkunden und Zeugnisse zu prüfen. Ihre Aufgabe ist es, sich mit wissenschaftlichen Konzepten und Arbeiten zu befassen.

Eumann weist immer wieder darauf hin, er habe seine Magisterarbeit aus dem Jahr 1991 im Vorwort seiner Dissertation erwähnt. Warum ist sie Ihnen dort nicht aufgefallen?

Weil das nicht zutrifft. Er hat sie im Vorwort nicht erwähnt. Wie im Hauptteil, dem Literaturverzeichnis, so findet sich auch im Vorwort der Titel der Magisterarbeit an keiner Stelle. Erst in der Buchversion seiner Dissertation gibt es dann eine „Vorbemerkung“. Dort schreibt Eumann, er habe 1990/1991 als Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung die Chance gehabt, sich mit dem Nachlass von Fritz Sänger und dessen Arbeit für den Deutschen Pressedienst zu befassen. Er habe damals mit vielen Zeitzeugen gesprochen. Seine Erkenntnisse seien aber nur zu einem Teil in seine Magisterarbeit eingeflossen. Den Titel der Magisterarbeit nennt er aber auch da nicht. Wie ich dargelegt habe, war ich im Glauben, bei Eumanns Magisterarbeit habe es sich um eine biographische Studie über Fritz Sänger gehandelt. Ich konnte also über den Hinweis in der Druckversion der Dissertation gar nicht stolpern, er hat mich sogar in meinem leider falschen Glauben noch bestärkt. Er passte zu meiner damaligen Annahme.

Ist die Sache nach der Entscheidung des Fakultätsrats für Sie abgeschlossen?

Die Promotionsurkunde wird ja nicht nur vom Dekan der Fakultät unterschrieben, sondern auch vom Rektor, in diesem Fall der Rektorin der Universität. Das Rektorat scheint hier eine andere Auffassung zu haben, wie aus seiner Presseerklärung vom Juli 2013 hervorgeht. Dort wird „erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten des Herrn Dr. Eumann“ festgestellt. Über diesen Dissens müsste meines Erachtens von außen entschieden werden, durch eine unabhängige externe Institution. Eine zweite Ebene ist politisch: Wenn eine Fakultät lax mit dem Promotionsrecht umgeht, wird irgendwann darüber nachgedacht werden, ob sie es behalten kann. Dann gibt es noch eine kulturelle Ebene: Man sollte den Doktortitel von der Belastung befreien, dass er besonders in Deutschland ein Statussymbol ist und nicht nur ein Entree für den Wissenschaftlerberuf. Das führt ja dazu, dass so viele Leute versuchen, auf krumme Weise zu promovieren.

Markiert die aktuelle Entscheidung einen neuen Promotionsstandard?

Die Sache ist für uns alle in der Wissenschaft ganz schädlich. Es geht hier um eine Norm, von der auch nicht nur Wissenschaftler leben. Eine Dissertation muss eine Innovationsleistung sein. Das ist eine der Normen, die absichern sollen, dass wir mit Know-how, mit unserem Wissen, weiter kommen. Davon leben wir in Deutschland. Die Entscheidung im Fall Eumann bedeutet die Aufgabe dieser zentralen Wissenschaftsnorm. Man kann schlechte Praxis nicht damit legitimieren, dass Ähnliches an anderer Stelle angeblich auch gemacht wird. Ich hoffe nicht, dass meine Fakultät jetzt mit Dissertationen überschüttet wird, die sich im Kern mit Diplom- oder Magisterarbeiten decken.

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