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Diskussion zum Mordfall : Lübcke-Freund weist Gesprächseinladung der AfD zurück

  • -Aktualisiert am

Der CDU-Abgeordnete Michael Brand spricht im Bundestag über den Mord an Walter Lübcke. Bild: dpa

Nach dem Mord an Walter Lübcke wollten der AfD-Abgeordnete Martin Hohmann und Erika Steinbach mit zwei CDU-Abgeordneten über das politische Klima in Deutschland sprechen. Lübckes Parteifreund Michael Brand reagiert empört.

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          Nach dem mutmaßlich rechtsextremen Mord an Walter Lübcke machen sich CDU und AfD weiter gegenseitig Vorwürfe. Der Fuldaer AfD-Politiker Martin Hohmann wollte eine Diskussionsrunde mit zwei CDU-Politikern organisieren. Es sollte um einen „politischen Klimawandel“ und die Rolle der beiden Parteien dabei gehen. Peter Tauber, der die AfD für mitschuldig am Mord hält und Lübckes Freund sowie der Bundestagsabgeordnete Michael Brand wurden eingeladen. Erika Steinbach hatte ihre Zusage bereits gegeben.

          Das Besondere: Sowohl Hohmann als auch Steinbach waren früher beide selbst Bundestagsabgeordnete für die CDU. Der eine hat diese Position nun für die AfD inne, die andere ist Vorsitzende der der AfD nahe stehenden Desiderius-Erasmus-Stiftung.

          Auf Facebook ergänzte Hohmann die Einladung mit Vorwürfen an die „Altparteien“: „Das CDU-Schiff sinkt. Die CDU hat nicht nur vor dem Zeitgeist kapituliert. Sie hat ihn aufgesogen.“ Die bevorstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland würden die Panik der CDU steigern. Nun sei Zeit für eine „geistig-moralische Wende“.

          Der eingeladene Michael Brand, der schon mehrfach vor Rechtsextremismus gewarnt hat, hat die Einladung öffentlich zurückgewiesen. In einem Brief, den er auf Facebook veröffentlichte, schreibt er an Hohmann: „Ihr Schreiben vom 26. Juni 2019 legt offen, dass es Ihnen mitnichten um eine öffentliche Diskussion, sondern um reine Inszenierung geht.“

          Hohmann und er kämen aus dem gleichen Landkreis und seien in der gleichen Partei gewesen. Den Weg eines Christdemokraten habe Hohmann aber verlassen. Steinbach hat sich in der Vergangenheit negativ über Lübcke geäußert, ihr wirft Brand „Selbstradikalisierung“ vor.

          Die AfD würde Lübcke unterstellen, aufgrund seiner christlichen Haltung an seiner Ermordung selbst schuld zu sein. Brand verachte und missbillige die Haltung zu dem Verbrechen. „Dass Sie nicht einmal mehr die Pietät, den Anstand besitzen, die Familie wenigstens in der Trauerphase mit Ihrer völlig wahnwitzigen Rechtfertigung des Mordes an Walter Lübcke zu verschonen, zeigt den Grad der Radikalisierung, der auch bei Ihnen zutage tritt“, schreibt er.

          Anm. der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Martin Hohmann wolle „über die Schuldfrage im Mordfall Lübcke sprechen“. Das geht so aus der Einladung nicht hervor. Allerdings erwähnt Hohmann darin den Mord und Äußerungen dazu, die sich auch mit der Schuldfrage befassen. Mittlerweile hat Hohmann ein Antwortschreiben auf Facebook veröffentlicht, das auch FAZ.NET vorliegt.

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