https://www.faz.net/-gpf-a5ugf

Digitalpakt : So will die Union den Schulen beim Geldausgeben helfen

In einer Grundschule in Baden-Württemberg kommen Tablets zum Einsatz Bild: Picture-Alliance

Viele Mittel aus dem Digitalpakt sind noch nicht abgerufen, doch gerade zu Zeiten von Corona wäre das dringend geboten. Die Unionsfraktion hat deshalb einen Vorschlag gemacht, wie man Schulen unter die Arme greifen kann.

          2 Min.

          An einigen Standorten werden sich nach den Beschlüssen der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin am Mittwoch Hybridmodelle an weiterführenden Schulen nicht vermeiden lassen. Doch noch immer sind viele Schulen darauf unzureichend vorbereitet. Oft fehlen Breitbandanschlüsse oder Serverkapazitäten, die es möglich machen, den Unterricht für die Präsenzgruppe in der Schule für die zu Hause lernenden Schüler zu übertragen. Vieles ließe sich schon jetzt verbessern, wenn mehr Mittel aus dem Digitalpakt abgerufen würden.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hat jetzt in einem Positionspapier vorgeschlagen, dass eine übergreifende Beratungseinheit aufgebaut wird, die den Schulen und Schulträgern hilft, wenn es um Fragen zur sinnvollen Zusammensetzung einer digitalen Infrastruktur, zum Antragsverfahren und zu Vergabeverfahren geht. In vier bis sechs Wochen könnte solch eine Einheit aufgebaut werden, so die Unionsfraktion. Die Länder sollen berichten, wie die Zusatzvereinbarungen zum Digitalpakt – dazu gehören zum Beispiel Lehrerlaptops und Administratoren – verwirklicht werden. Auch die Fristen für den sogenannten Mittelablauf sollen kürzer ausgelegt sein als bisher. Die Union wünscht sich, dass das Geld bis 2021 ausgegeben ist.

          Die schon im Koalitionsausschuss beschlossenen Kompetenzzentren sollen eine Plattform bilden, auf der innovative Unterrichtsinhalte präsentiert und Empfehlungen für die Nutzung digitaler Angebote gegeben werden. Virtuelle Rundgänge sollen ebenso möglich sein wie die Kommunikation mit anderen Nutzern. Neben einem Hauptsitz will die Unionsfraktion Niederlassungen über das gesamte Bundesgebiet organisieren, die auch Weiterbildungen für unterschiedliche Zielgruppen anbieten. Bei der Administratorenvereinbarung mit den Ländern war eigentlich festgelegt worden, dass die Länder im Gegenzug dafür, dass der Bund ihnen Administratorenstellen finanziert, für die Fortbildung sorgen. Doch damit sind die Länder gegenwärtig offenbar überfordert. Mit dem Aufbau der Zentren soll nach den Vorstellungen der Union in der ersten Hälfte des kommenden Jahres begonnen werden.

          Da es augenblicklich keine Schnittstellen zwischen den verschiedenen digitalen Angeboten gibt und die meisten auch nicht qualitätsgeprüft sind, schlagen die Abgeordneten ein Gremium zur Standarddefinition vor, das gute Angebote identifiziert. Um einen einheitlichen Zugang zu qualitätsgeprüften Materialien zu bekommen, braucht man didaktische und technologische Standards, die alle Beteiligten einbeziehen müssen. Ziel sei, die Aktivitäten zur Standardisierung in einer cloudbasierten Austauschplattform zusammenzuführen. Diese Austauschplattform müsste dann Rechtemanagement und Lizenzierung übernehmen. Sie soll die Materialien der bereits existierenden Länderplattformen zusammenführen und damit auch einen Austausch geeigneter Lernmaterialien erleichtern. Die Kultusministerien müssten allerdings die digitalen Lernmittel lizenzieren.

          Außerdem erhoffen sich die Abgeordneten, dass den Schulen mehr Freiheit bei der Nutzung von Lernplattformen gegeben wird. Ein Wettbewerb könnte dazu führen, dass die besten und nutzerfreundlichsten Angebote sich durchsetzten. Da die Beurteilung der Online-Lernmittel durch die Datenschutzbehörden nicht einheitlich geregelt ist, soll es eine datenschutzrechtliche Unbedenklichkeitsprüfung geben, die aus einem Land auf andere Länder übertragbar ist. Außerdem soll es digitale Pilotschulen geben. Nach der Unionsfraktion wird auch die SPD-Fraktion unter Federführung von Saskia Esken eigene Vorschläge machen. Auf eine Finanzierung in der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses können die Abgeordneten derzeit nur hoffen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hoffnungsträger Impfstoff

          Bleiben Impfstoffe wirksam? : Schlupflöcher für Mutanten

          Je genauer die neuen Virus-Varianten untersucht werden, um so mehr wachsen die Bedenken: Sollten sie etwa die Immunabwehr unterlaufen können? Eine neue Studie deckt schwächelnde Antikörper nach mRNA-Impfungen auf.

          Biden-Präsidentschaft, Tag 1 : Er hat sich viel vorgenommen

          An seinem ersten Tag im Amt nimmt Joe Biden zahlreiche Regelungen von Donald Trump zurück. Der neue Präsident will den Klimaschutz voranbringen und den Kampf gegen Corona besser koordinieren – Hindernisse sind allerdings schon programmiert.

          Party für den Präsidenten : Eine große Werbeveranstaltung für Joe Biden

          Anstelle des traditionellen Balls wird für Joe Biden eine virtuelle Party mit vielen Stars veranstaltet. Doch das als gutgelaunte Feier getarnte Event entpuppt sich als PR-Video. Gerade im Fahrwasser der Trump-Regierung wirkt diese Lobhudelei befremdlich.
          Infektion der anderen Art: Hacker erpressten die Funke-Mediengruppe durch sogenannte Ransomware.

          Funke nach dem Cyberangriff : Wir haben ihre Daten!

          Nachdem die Funke-Mediengruppe Ende Dezember Opfer eines Cyberangriffs geworden war, musste sie ihre gesamte IT-Struktur binnen weniger Wochen wieder aufbauen. Nun will man den Notfallmodus wieder verlassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.