https://www.faz.net/-gpf-9gz3f

Roboter in der Pflege. Könnte eine Maschine einen Menschen wirklich ersetzen? Bild: obs

Digitalisierung der Pflege : Maschinen für den Menschen?

Die Vorstellung, dass Roboter einmal die Aufgaben von Pflegern übernehmen, klingt verlockend. Trotzdem nimmt die Digitalisierung in der Pflege nur langsam Fahrt auf.

          4 Min.

          Die Vorstellung, dass Roboter einmal die Aufgaben von Pflegern übernehmen, klingt einerseits verlockend. Schließlich sucht die Branche in Deutschland händeringend Fachkräfte, vielerorts dauert es im Schnitt ein halbes Jahr, ehe ein Pflegeheim oder ein ambulanter Hilfsdienst eine vakante Stelle besetzen kann. Hinzu kommt, dass Maschinen gerade in der Altenpflege – zumindest in der Theorie – ganz gut Arbeiten verrichten könnten, die menschlichen Mitarbeitern mit der Zeit körperlich zusetzen. Die Bewohner in den Rollstuhl heben, sie auf die Toilette setzen, das alles können moderne Roboter bereits. Sie sind zwar wesentlich langsamer als ein Mensch und auch nicht so gefühlvoll, doch die Technik entwickelt sich stetig fort. In mehreren Einrichtungen im Land werden bereits Prototypen getestet, von einer Serienreife ist man indes noch weit entfernt. Und doch hat die Vision einen Haken, dass der Pflegenotstand sich lösen ließe, wenn die Industrie nur schnell genug fähige Geräte entwickelte und die Heimbetreiber vor Investitionen in die modernen Helfer nicht zurückschreckten.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          „Ich sehe nicht, dass Maschinen den Menschen in der Pflege ersetzen werden. Denn es geht bei Pflege immer auch um seelisches Empfinden und Beziehungen zwischen Menschen,“ sagt Arno Schwalie. Seit fast anderthalb Jahren führt er das Unternehmen Korian, den größten privaten Träger von Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Das Unternehmen betreibt 227 Einrichtungen mit mehr als 28.000 Plätzen für Pflegebedürftige und beschäftigte zuletzt an die 21.000 Mitarbeiter. Roboter sollen dort so bald nicht über die Flure rollen. „Denn es geht dabei auch um die Psyche der Pflegebedürftigen“, sagt Schwalie. Und die könnte bei Alten und Kranken ganz erheblich leiden, wenn sich statt eines Menschen ein Roboter ihrer annähme. So viel moderne Technik bereits imitieren kann, echte Wärme und Zuneigung lässt sich nicht nachahmen. Das betonte unlängst auch Andreas Westerfellhaus, der Pflegebeauftragte der Bundesregierung. Pflege sei eine komplexe Beziehung, die zwischen zwei Menschen stattfindet, sagte Westerfellhaus dem „Deutschlandfunk“. Die Robotik könne da allenfalls Unterstützung leisten, aber kein Ersatz sein.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+